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Indie Soulslike Spiele-Review Team 17

Thymesia im Test: Vielversprechendes Soulslike

Thymesia bietet euch ein Hardcore-Abenteuer, das sich stark an From Software-Spielen orientiert und vor allem Bloodborne-Fans anspricht.

Bei Thymesia handelt es sich um ein neues Soulslike, das das Erstlingswerk des Entwicklerstudios OverBorder Studio darstellt. Als Vertriebspartner haben sie sich mit Team17 einen namhaften Publisher an die Seite geholt. Thymesia spricht dabei vor allem aufgrund der Gothic-Horror-Präsentation Fans des From Software-Titels Bloodborne an. Doch die Optik ist nicht alles, denn das Gameplay richtet sich eher an jene, die bei Sekiro nicht ins Schwitzen gekommen sind. Das Indie-Soulslike macht zwar vieles richtig, aber noch lange nicht alles. Was damit gemeint ist, lest ihr in dieser Review.

Holt die Herzen!

Die stark von Bloodborne inspirierte Geschichte führt uns in das Königreich Hermes. Dort sind alchemistische Experimente fehlgeschlagen, was den Ausbruch einer tödlichen Seuche als Folge hat. Wir schlüpfen in die Rolle eines bewaffneten Pestarztes namens Corvus, der natürlich an Gedächtnisverlust leidet. Die Prinzessin schickt uns los, die Herzen mächtiger Gegner einzusammeln und mit ihnen ein Heilmittel zu brauen, das die Krankheit eindämmt.

Was durchaus interessant klingt, wird leider wenig interessant herübergebracht. Das Fehlen einer Sprachausgabe und die Tatsache, dass die Geschichte nur mit zwei NPCs erzählt wird, reduzieren das Interesse an der Geschichte erheblich. Zusätzlich gibt es nur wenige Zwischensequenzen, die nur als Standbilder mit Text inszeniert sind. Puh.

Genretypische Gebiete

Etwas besser als die Geschichte sind die drei großen Gebiete, die wir von unserem Hub aus bereisen können. Sie bieten eine optische Abwechslung, sind insgesamt aber zu generisch gestaltet und gerade Genrefans haben diese Art von Szenerien schon etliche Male gesehen. Dazu gehören beispielsweise zerfallene Festungen, die gefühlt in jedem Spiel des Genres vorkommen, blutige Seen oder düstere Dörfer aus Holz.

Dennoch schaffen es die Entwickler:innen in Thymesia eine hervorragende dichte Atmosphäre zu vermitteln. Die stimmungsvolle Belichtung lässt den Gothic-Horror-Stil glaubhaft wirken und unterstreicht so das angestrebte Setting eines in der Seuche untergegangenen Königreichs. Das Erkunden der Gebiete lohnt sich auch trotz der schon etliche Male gesehenen Umgebungen, da wir nicht nur Erinnerungen der ehemaligen Bewohner aufspüren können, sondern auch Abkürzungen öffnen oder sogar versteckte Mini-Bosse vermöbeln können. 

Sinnvolle Systeme

Zwar mögen wir gerade Kritik an der Gestaltung der Level und Welt genommen haben, aber das ist nur die Hülle des Titels. Der Kern ist das Gameplay und das ist die meiste Zeit auch sehr überzeugend und spaßig. Die Systeme im Spiel greifen gut ineinander, was auch direkt klar wird. Mit unserem Säbel, der Standardwaffe im Spiel, können wir nicht wirklich viel direkten Schaden an Gegnern anrichten, aber ihnen Wunden zufügen. Diese Wunden verheilen mit der Zeit, allerdings haben wir noch eine Rabenkralle, mit der wir diese Wunden zu dauerhaftem Schaden machen können.

Aber Vorsicht ist geboten, denn die Kralle ist sehr langsam und wir müssen den richtigen Moment abwarten, mit ihr zuzuschlagen. Gleichzeitig dürfen wir uns aber auch nicht zu viel Zeit lassen, denn sonst heilt sich der Gegner. Aber auch ohne diese Tatsache halten uns die Gegner ständig in Bewegung, denn die Kämpfe laufen stets aggressiv ab, wartend auf den richtigen Moment.

Seuchenwaffen

Doch die Rabenkralle ist in Thymesia nicht nur dafür gut, Gegnern Wunden zuzufügen, sondern kann ihnen auch besonders mächtige Fähigkeiten entziehen, die sogenannten Seuchenwaffen. Diese lassen sich einmal benutzen oder mit dem Verwenden von Fertigkeitensplittern auch dauerhaft freischalten. Diese Seuchenwaffen lassen sich mit weiteren Splittern des gleichen Typs auf aufwerten und mit Bonuseffekten versehen!

Die Angriffe sind nicht nur besonders stark, sondern sehen zudem auch noch verdammt gut aus! Auch die vielseitige Auswahl kann sich sehenlassen. Mit einer dieser Waffen können wir beispielsweise zustechen und sofort nach hinten ausweichen, also ähnlich wie die Klinge des Bluthundes in Elden Ring. Oder wir platzieren mit der Hilfe eines explodierenden Speeres eine Zeitbombe im Gegner, um verheerenden Schaden anzurichten.

Flexible Fähigkeiten und Talente

Ein weiterer Pluspunkt von Thymesia ist das flexible Fähigkeitensystem, das sich beliebig an den Spielstil anpassen lässt. So können wir eines unserer drei Attribute erhöhen, was uns wiederum passive Boni und einen Punkt für den Talentbaum beschert. Darin können wir beispielsweise das Zeitfenster für erfolgreiche Paraden erhöhen, müssen aber auf etwas Wundschaden verzichten.

Es lassen sich auch weitere Nuancen des Kampfes anpassen. Auch können wir jederzeit zwischen bereits gekauften Talenten hin- und herwechseln. Das hilft vor allem bei knackigen Bosskämpfen, bei denen wir lieber auf ein anderes Talent setzen, das wir gerade vielleicht gar nicht aktiv haben. Das ist auch gut, denn das Spiel gibt uns nicht viel Zeit zum Trainieren, bevor wir auf einen der herausfordernden Bosse stoßen!

Aua!

Gerade die menschlichen Bosse geben uns kaum Zeit zum Durchatmen und bestrafen jeden kleinen Fehler. Parieren ist ein großer Faktor im Spiel, sollten wir das aber mal nicht schaffen, tut’s weh. Zum Glück haben wir aber auch noch ein Ausweichmanöver auf Lager, das ist sicherer, zieht den Kampf aber auch etwas in die Länge. Doch egal welcher Stil euch eher zusagt, ihr müsst eines von beiden meistern, sonst habt ihr keine Schnitte gegen die Bosse und verzweifelt schon am ersten!

Und in diesen Kämpfen offenbart sich auch ein Nachteil. Denn Thymesia reicht qualitativ nicht ganz an die großen Vorbilder heran. Zum Beispiel haben wir kaum eine Chance, aus Kombo-Angriffen der Gegner zu entkommen. Theoretisch kann das mit einem Patch noch ausgebessert werden.

Fazit

Thymesia wirkt auf den ersten Blick wie ein weiteres Spiel, das auf den Erfolg von From Software-Titeln aufspringen will, kann aber mit einem interessanten Gameplay-Loop und atmosphärischem Setting überzeugen. Die vielen Möglichkeiten, die mit den Seuchenwaffen und dem flexiblen Kampfsystem geboten werden, machen Spaß und sind motivierend. Auch, wenn die Lernkurve gerade bei den Bossen besonders steil nach oben geht, lässt sich nicht von einem demotivierenden Design sprechen. Im Gegenteil, die Abwechslungsvielfalt der Bosse ist positiv hervorzuheben. Leider endet Thymesia schon nach rund zehn Stunden ohne Wiederspielwelt. Dennoch sollte man Thymesia (als Fan des Genres) gespielt haben.

Der Review-Key für den PC wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt!

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