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The Blood of Dawnwalker im Test: Anreize zum Mehrfachspielen

Mit The Blood of Dawnwalker liefert das neue Studio Rebel Wolves ein sehenswertes, düsteres Vampir-RPG mit Fokus auf Wiederspielwert.

The Blood of Dawnwalker ist im Geiste ein RPG, wie es The Witcher 3 bereits war – und daraus machen Rebel Wolves, das Studio hinter dem Spiel, keinen Hehl. Immerhin entstand das Studio aus gleich mehreren Entwickler:innen, die bereits vorher beim polnischen Großstudio CD Projekt RED an ebenjenem Hexerspiel mitgearbeitet haben. Und dieses Erbe kann das düstere Vampir-RPG mit Protagonist Coen keinesfalls abstreiten, dafür sind die Ähnlichkeiten zu groß – muss es aber auch nicht! Wir haben uns Dawnwalker einmal genauer angeschaut und verraten euch hier unseren Eindruck.

Quelle: Bandai Namco

Coen aus Laslea

Doch trotz aller Ähnlichkeiten fangen wir von vorne an. Mit Coen aus Laslea beginnt unsere Reise. Das Dorf Laslea ist im Sangora-Tal gelegen, das von der Pest schwer getroffen wurde. Das Chaos, das angerichtet wurde, haben sich mächtige Vampire zu eigen gemacht, die nun mit eiserner Hand über das Tal herrschen. Im Gegenzug dafür, dass sie die verbliebene Bevölkerung vor der Krankheit retten, verlangen sie regelmäßige Blutopfer.

Diese Blutopfer fordern sie im Rahmen spezieller Messen ein, die regelmäßig stattfinden und auf denen auch geprüft wird, welche Bewohner noch verdient haben, zu leben. Und so beginnt der Stress direkt, denn Coens Mutter braucht immer mal wieder Medizin, damit sie halbwegs auf dem Dampfer ist. Also müssen wir uns darum kümmern, diese Medizin von der ansässigen Kräuterkundlerin Anca zu holen. Doch auf dem Weg dorthin begegnen wir immer wieder Bewohnenden, die unsere Hilfe brauchen – und damit auch einem der Kernfeatures von The Blood of Dawnwalker: dem Zeitaspekt. Doch dazu später mehr.

So viel zu tun, so wenig Zeit

Kaum sind wir aus unserem Zuhaue gestolpert, warten unsere Geschwister auf uns, die angeln gehen wollen. Da wir natürlich ein guter Bruder sind, folgen wir unseren Geschwistern zum Fluss und helfen ihnen, die Angeln aufzustellen. Allerdings kostet das Aufstellen der Werkzeuge Zeit. Egal, machen wir. Ist das erledigt, geht es zurück ins Dorf, in dem wir plötzlich bemerken, dass eine Frau an einem offenen Grab trauert. Also gehen wir hin und fragen, was los ist. Sie erzählt uns, dass aus dem Grab ihres Sohnes ein kleiner, silberner Anhänger gestohlen wurde. Nun gut, gehen wir dem nach – aber auch hier kosten gewisse Interaktionen immer wieder Zeit.

Das geht so weiter, bis wir kaum noch Zeit haben und uns daran erinnern, dass wir ja eigentlich Medizin für unsere Mutter holen wollten. Also erledigen wir das, bevor die Vampirmesse beginnt. Allerdings wollte unser Vater eigentlich noch mit uns am Schwert trainieren, bevor es abend ist. Dafür ist nun aber keine Zeit mehr und so begeben wir uns als Familie zur Messe. Und ab hier beginnt der Schrecken…

 

Quelle: Bandai Namco

Beeil dich, oder…?!

Die meisten Interaktionen kosten in Dawnwalker Zeit, beziehungsweise ein Zeitsegmet. Insgesamt stehen uns pro Tag 16 Segmente zur Verfügung, acht am Tag und acht in der Nacht. Je nachdem, was wir machen wollen, sollten wir uns diese Zeit also gut einteilen, denn die Zeit vergeht nicht einfach nur. Nein, die Zeit ist an die Hauptaufgabe gekoppelt. Denn am Ende des Tages, an dem wir die Medizin für unsere Mutter sammeln sollen, wird unsere Familie entführt. Fürst Brencis, der herrschende Vampir über das Tal, räumt uns aber immerhin 30 Tage ein, unsere Familie zu befreien.

So begeben wir uns im Sangora-Tal auf die Suche nach wichtigen Verbündeten und helfen den Bewohner:innen dabei, den Alltag etwas erträglicher zu gestalten und sie von der harten Hand der Vampire zu befreien. Immer wieder müssen wir uns dabei entscheiden, was wir am Tag oder in der Nacht machen wollen – wobei manche Aufgaben nur zu einer bestimmten Tageszeit erledigt werden können. Was jetzt noch so klingt, als müssten wir strategisch im Voraus planen, ist im Grunde bei weitem nicht so stressig, wie es klingt.

 

Entscheidungen

Nicht nur die Entscheidungen, was wir wie und wann angehen, spielen eine Rolle, sondern auch jene, die an die Spielwelt gekoppelt sind. Zu Brencis‘ Hof gehören drei starke Vampire, die wir vor dem großen Finalkampf bereits sabotieren und dann ausschalten können. Wir können sie aber auch größtenteils ignorieren und stellen uns ihnen dann erst im Finale. Außerdem treffen wir im Spielverlauf immer wieder auf NPCs mit denen wir interagieren können. Sei es nur ein kurzes, belangloses Gespräch führen, oder sie (nachts) zu unserem Vorteil aussaugen.

Denn als Vampir müssen wir immer wieder mit unserem Blutdurst kämpfen. Haben wir ihn die meiste Zeit zwar im Griff, kann es jedoch passieren, dass mitten in einem Dialog der Durst zuschlägt und wir einen NPC aussaugen, ohne es aktiv gewollt zu haben. Zugegebenermaßen lässt sich das aber relativ einfach umgehen. Denn wir verlieren nur die Kontrolle über unseren Durst, wenn wir als Vampir im letzten Gesundheitssegment sind. Sorgen wir vor Dialogen dafür, dass wir gut genährt sind, passiert auch nichts.

Quelle: Bandai Namco

Zeit, Zeit, Zeit

Nutzen wir unsere Vampirgestalt beziehungsweise deren Fähigkeiten, erlangen wir mehr „Verderbtheit“, was uns im Verlauf mehr Fähigkeiten als Vampir freischaltet. Doch keine Angst, die Verderbtheit hat ansonsten keinerlei Auswirkungen auf irgendwas. Sie schaltet lediglich die Möglichkeit frei, weitere Vampirfähigkeite mit Fähigkeitpunkten – und Zeiteinsatz – zu kaufen. Gleiches gilt übrigens auch für Schwert- und Hexerei-Fähigkeiten. Wobei wir hierfür Bücher mit Anleitungen in der Welt finden müssen, um fortzuschreiten, statt einen Wert hochzutreiben.

Allerdings kostet auch das Erlernen von neuen Fähigkeiten in The Blood of Dawnwalker ein, respektive zwei, Zeitsegmente. Auch hier sollten wir immer wieder abwägen, ob wir gerade wirklich mehr Tragekapazität für das Inventar benötigen, oder doch lieber unsere Ausdauerkosten für das Blocken von Angriffen senken – oder auch keins von beidem.

Und, obwohl wir in unserem Test, besonders anfangs, so gut wie alles mitgenommen haben und auch viele Fähigkeiten erlernt haben, hatten wir insgesamt keinerlei Probleme mit der Mechanik der Zeit. 30 Tage wirken erstmal sehr begrenzend, beziehen sich allerdings nur auf die Familie von Coen. Nach dem Ablauf der Zeit endet das Spiel nicht einfach, sondern, wir können nur unsere Familie nicht mehr retten. Und gerade wegen den verschiedenen Enden, die es gibt, lohnt es sich definitiv mehrmals durchzuspielen und dann auch gegebenenfalls einen anderen Ansatz zu wählen, wie wir die Nebenaufgaben angehen.

Das Kampfsystem

Neben der Zeitmechanik ist das Kampfsystem einer der Kernpunkte des Spiels, die es so von anderen abhebt. Das sollte es auch, immerhin ist diese Mechanik in einem Action-Rollenspiel genau das, womit es steht und fällt. Die gute Nachricht an dieser Stelle ist: Rebel Wolves machen damit so einiges richtig. Im Prinzip ist es ähnlich zu dem System, das auch Kingdom Come: Deliverance nutzt. Wir attackieren und blocken oder parieren, indem wir in eine bestimmte Richtung zeigen und dann unsere Aktion ausführen. Allerdings ist es in The Blood of Dawnwalker nicht so komplex oder schwierig wie das, was wir vom Warhorse-Spiel kennen.

Und das ist auch gut so. Denn selbst nach gut 40 Stunden Spielzeit hing uns das Kampfsystem alles andere als zum Halse heraus. Gut, an der Stelle sei gesagt, dass die Basis dessen nicht sonderlich tiefgründig ist und nur aus Angriff, Block und Parade besteht. Allerdings kommen hier die Fähigkeiten zum Tragen, die wir im Verlauf des Spiels freischalten und das Kämpfen deutlich auflockern. So lassen sich Abklingzeiten reduzieren oder ordentlich Schaden austeilen.

Selbst wenn mehrere Gegner es gleichzeitig auf Coen abgesehen haben, bleibt die Übersicht über das Geschehen erhalten. Hier kommt auch hinzu, dass Gegner nicht gleich im Rudel auf unseren Protagonisten einprügeln sondern meistens einzeln attackieren. Hin und wieder kann es aber doch vorkommen, dass Angriffe mal parallel stattfinden, aber auch das ist per se kein Problem. Und sobald es mit dem Kampfsystem einmal Klick gemacht hat, ist das Kämpfen auch ein Leichtes.

Quelle: Bandai Namco

Abwechslung am Tage und in der Nacht

Was dem Kampfsystem ebenfalls zugute kommt, ist die Tatsache, dass sich Coen am Tag und in der Nacht zwar ähnlich, aber doch unterschiedlich genug spielt. Immerhin bekommen wir während den Abend- und Nachtstunden Zugriff auf die Vampirfähigkeiten unseres Sympathieträgers aus Laslea. Das bedeutet nicht nur, dass wir unsere Reißzähne in die Hälse der Gegner schlagen können, sondern auch, dass unsere Fingernägel lang genug sind, um als Klauen – und damit als Waffe – durchzugehen. Damit ist der Wechsel der Tageszeit nicht nur eine Spielmechanik, die uns zum mehrmaligen Spielen animieren soll, sondern sorgt auch für sinnvolle spielerische Abwechslung.

Die kommt ebenfalls dadurch, dass wir uns als Vampir auch anders fortbewegen können, als in der menschlichen Gestalt. Laufen und Sprinten geht natürlich auch so, jedoch kommt noch eine Wolfs-Form (keine Fledermaus!) hinzu und der Schattenschritt, der eine Art Teleport darstellt. Damit lassen sich Abgründe überbrücken oder Hausdächer ganz einfach erklimmen. Zudem kann Coen als Vampir an Wänden und Decken entlanglaufen – zumindest solange die Ausdauer es hergibt.

Sprache & Technik

Ebenfalls positiv fiel uns die gut gelungene deutsche Sprachausgabe für alle Mono- und Dialoge auf. Das ist für Erstlingswerke immer noch etwas Besonderes, vor allem, da es bei textintensiven Spielen auch immer eine Frage des Budgets ist. Bandai Namco hat an der Stelle gut daran getan, dieses Geld zur Verfügung zu stellen! Wer trotzdem lieber auf die englische Synchro ausweicht findet auch dort eine gelungene Auswahl an Sprechenden.

Auch auf technischer Ebene kann sich der Titel auch sehen lassen. Im gesamten Verlauf gab es keinerlei große Auffälligkeiten, die das Spielen behindert hätten. Auch die Performance blieb durchweg auf einem stabilen, guten Niveau und hatte keine Abstürze gefordert. 

Quelle: Bandai Namco

Fazit

„Ich war anfangs noch etwas skeptisch, was die Zeitmechanik in The Blood of Dawnwalker betrifft, doch nach den ersten paar Stunden des Spiels hat sich diese Skepsis schnell gelegt. Ich habe gemerkt, dass mir deutlich mehr Zeit zur Verfügung steht, als ich anfangs dachte. Außerdem bezieht sich die Zeit ja auch nur auf das Retten der Familie von Coen. Überziehen wir das Zeitlimit, können wir immer noch alle anderen Aufgaben in der Welt erledigen – nur unsere Familie ist eben erledigt. Dadurch konnte ich mich auf jeden Fall besser im Spiel fallenlassen und den unzähligen Aufgaben, die auf Coen und mich warteten, nachgehen.

Blood of Dawnwalker ist bisher auf jeden Fall eines der Spiele-Highlights für mich. Das Kampfsystem, das zwar etwas Eingewöhnunh bedarf, aber dann mehr als motivierend ist im Zusammenspiel mit den verschiedenen Fähigkeiten, die sich freischalten lassen sind schon besonders. Auch, dass sich das Gameplay in der Nacht etwas wandelt und dadurch abwechlungsreicher wird ist super! Die ganzen Nebenmissionen gewinnen zwar keinen Preis für Innovation, konnten mich aber doch immer wieder bei Laune halten. Ich kann das Spiel nur jeder Person empfehlen, die RPGs mag und bin sehr gespannt, was Rebel Wolves in Zukunft noch aus dem Franchise herausholen werden.„

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