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Kann Life is Strange: True Colors die etwas verloren gegangene Magie der letzten Ableger der Serie wieder zurückholen?

Inhaltsverzeichnis
Seite 1: • Macht der EmotionenWar es ein Unfall?Jetzt lach doch malTell me moreZu inkonsequentBittersüßer Beigeschmack
Seite 2: • Fazit & Wertung

Haven Springs ist ein atemberaubend schöner und packender Ort, die Charaktere sind gut geschrieben und es bringt dieses typische Gefühl der Serie auf. Die Magie ist wieder da!
Simone Eckendorf

Bei Life is Strange: True Colors dreht sich alles um Empathie und die Macht der Emotionen, sowohl um die guten als auch schlechten. Wir begleiten Protagonisten Alex dabei, wie sie die komplette Achterbahn der Gefühle durchlebt und dabei lernt, ihre eigenen zu verstehen. Dieses Erforschen der Gefühle ist das Kernstück von True Colors. Vor allem auch deshalb, weil ihr Bruder Gabe früh im Spiel stirbt – die einzige Familie, die Alex hat. Außerdem wird sie auch noch mit der Tatsache konfrontiert, dass sein Tod vielleicht kein Unfall war. Dieser Schmerz überwältigt sie natürlich und beschäftigt sie immer wieder. Und diese Reise nimmt uns mit.

Macht der Emotionen

In der Life is Strange-Serie ging es schon immer darum, mitreißende Geschichten zu erzählen, die uns beschäftigen. Auch standen immer junge Erwachsene im Mittelpunkt, die mit einem Trauma zu kämpfen haben und eine “Coming-of-Age-Geschichte” erfahren. Doch statt Zeitreisen, Telekinese oder die Macht des Gedankenlesens konzentriert sich bei Alex alles um die Gefühle. Um ihre eigenen und die der anderen um sie herum, die sie verarbeiten. Denn ihre Superkraft besteht darin, gesteigerte Gefühle anderer wahrzunehmen – und sogar zu absorbieren. Dadurch kann sie andere von Wut, Trauer oder Angst befreien, wenn sie das denn möchte.

Empfindet eine andere Person um sie herum eine überwältigende Emotion, fangen ihre Auren an zu leuchten, die Alex wahrnehmen kann. So kann sie verstehen, was der Mensch in dem Moment durchmacht und spürt Sachen, die die anderen nicht ausgesprochen haben.

War es ein Unfall?

Die Fähigkeit zum menschlichen Stimmungsring zu werden hat sie aus ihrer Unterbringung bei einer Pflegefamilie. Dort kontaktierte sie ihr lange vermisster Bruder Gabe, der sie nach Haven Springs, Colorado einlud, um dort mit ihm zu leben. Doch das freudige Wiedersehen der beiden Geschwister ist nur von kurzer Dauer: Gabe verunglückt bei einem Unfall tödlich und stürzt die Bewohner des Örtchens sowie Alex in tiefe Traurigkeit. Doch Alex zweifelt daran, dass es ein Unfall war und beginnt in der beschaulichen Bergbaustadt Nachforschungen anzustellen. Sie will unbedingt herausfinden, was wirklich passiert ist. Selbstverständlich sollen ihre Kräfte ihr dabei helfen, die wahre Natur der Bewohner der amerikanischen Stadt zu erkennen.

Dabei fügt sich Haven Springs gut in die Riege der malerischen Städte des Franchises ein. Die Rocky Mountains bilden eine wunderschöne Kulisse des Postkarten-Städtchens. Vor allem in Verbindung mit dem See, der direkt an der Stadt zu finden ist, erzeugt das Ganze eine wunderschöne Atmosphäre. Die Geschäfte des Örtchens sind in einer einzigen Straße zu finden und generell merken wir, dass die Gemeinschaft eng verbunden ist. Doch nicht nur der Ort sieht fantastisch aus, auch alles andere passt perfekt zusammen. Es gibt viele Details und noch schönere Fleckchen. Auch die Zwischensequenzen könne sich gut sehen lassen.

Jetzt lach doch mal

Wären da nur nicht die hölzernen Gesichtszüge der Charaktere. Keine Frage, die Serie lebt seit jeher von den Entscheidungen, die wir treffen müssen – die auch nicht selten emotional ausfallen und uns mitreißen. Das würde uns aber deutlich einfacher fallen, wenn wir auch unserem Gegenüber die Emotionen ablesen könnten. Zwischen Wut, Trauer und Freude gibt es in den Gesichtern der Charaktere kaum wahrnehmbare Unterschiede. Das macht das Entscheiden in manchen Situationen deutlich schwieriger als es hätte sein müssen.

Dafür haben die Entwickler von Deck Nine – ja, richtig, nicht mehr Dontnod! – das charakteristische Erkundungssystem von Life is Strange fortgeführt. Wir können also mit verschiedenen Gegenständen interagieren, um mehr Informationen über die Spielwelt zu erhalten. So untersuchen wir Fotos und lese Flugblätter und Zeitungsausschnitte, um mehr über andere Charaktere und die generelle Geschichte der Stadt zu erfahren. Doch nicht nur das, wir erfahren auch mehr über die Protagonisten.

Tell me more

Durch Tagebucheinträge oder Briefen ihrer Brieffreunde erfahren wir etwas über Alex’ bewegtes Leben und die Zeit in ihrer Pflegefamilie. Hauptcharaktere, die explizit bei einer Pflegefamilie aufgewachsen sind, gibt es nicht häufig in Videospielen. Doch das Entwicklerstudio geht durchaus sorgsam mit diesem Thema um. Mit den Informationsschnipseln erfahren wir mehr über ihre Persönlichkeit, wie ihre Geschichte ist und was ihre Stärken sind. So hilft Alex’ Superkraft auch bei der Erkundung, denn Menschen hinterlassen Markierungen auf Gegenständen, mit denen sie verbunden sind.

Diese Markierungen können wir nutzen, um mehr über die Gedanken und Gefühle von ihnen herauszufinden. Beispielsweise können wir so herausfinden, dass jemand unter Arbeitsstress leidet, wenn wir eine Tasse in die Hand nehmen. Oder, nehmen wir ein Telefon in die Hand, können wir die Angst des Besitzers erkennen, der sich vor einem ganz bestimmten Anruf ängstigt. Das fügt sich insgesamt zwar gut in die Geschichte ein, wird jedoch manchmal zu inkonsequent genutzt. Denn in Life is Strange: True Colors kann Alex oft von intensiven Emotionen überwältigt werden.

Zu inkonsequent

In manchen Situationen aber, scheint dies vollkommen in Vergessenheit zu geraten. Zwar können wir anderen ihre Gefühle nehmen und sie absorbieren, was aber letzten Endes keinen Einfluss auf unseren eigenen emotionalen Zustand hat. Das wirkt irgendwie komisch, übermannen uns doch oftmals die eigenen Gefühle, wenn jemand mit großem emotionalen Stress uns gegenübersteht. Das ist insgesamt also etwas zu inkonsequent und fühlt sich komisch an. Sollte es nicht auch genau darum gehen, zu lernen mit diesen Gefühlen klarzukommen?

Auch kommt das typische Gefühl, dass die Entscheidungen wirkliche Konsequenzen haben, bei diesem Life is Strange-Ableger nicht wirklich auf. Zwar gibt es am Ende des Spiels eine Auflösung der Konsequenzen und wie die eigenen Entscheidungen ausgefallen sind, doch das ist eine lange Wartezeit um herauszufinden, was wir angestellt haben. Außerdem wirken sich nur wenige Entscheidungen auch wirklich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zu anderen aus. Im Spiel haben wir mit Steph und Ryan zwei enge Freunde und können uns entscheiden, mit wem wir ausgehen. Doch bis auf diese Entscheidung bleibt nicht viel.

Bittersüßer Beigeschmack

Trotz der ein oder anderen Schwäche von True Colors ist dieser Ableger ein durchaus spaßiger Teil. Zwar kommt der neuste Teil auch mit einer ziemlich dramatischen Geschichte, aber es gibt auch durchaus Augenblicke, in denen Euphorie und große Freude herrscht. Das ist, im Vergleich, nichts zu den anderen Teilen der Serie, die sich oft mit unglaublich schweren Themen befassen. Wie dem Überzeugen eines Freundes, nicht vom Dach zu springen. Oder dem Erfahren von schrecklichem Rassismus. Auch hier gab es immer mal wieder glückliche Momente, die aber immer einen bittersüßen Beigeschmack hatten. In True Colors ist das gesamte emotionale Spektrum vertreten.

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