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House of Ashes im Test: Das beste Spiel der Anthologie?

Mit House of Ashes geht die The Dark Pictures Anthology in die dritte Runde, und könnte den bisher besten Teil der Reihe veröffentlicht haben.

Im Gegensatz zum vorherigen Ableger, Little Hope, ist House of Ashes deutlich flexibler, was die Charaktere, deren Schicksale und entsprechend auch die Enden angeht.
Simone Eckendorf

Passend zu Halloween bescheren uns Supermassive Games mit House of Ashes den dritten der vier geplanten Teilen der Dark Pictures Anthology. Auch hierbei handelt es sich erneut um ein paar Gruselgeschichten, die wir mit unseren Entscheidungen beeinflussen. So lassen wir uns von schaurigen Monstern in einem verlassenen Tempel jagen oder kriegen auf eine nicht so subtile Art Politik um die Ohren gehauen. Immerhin begeben wir uns mit Eric King in den Irak und lassen uns im ehemaligen Palast des Diktators Saddam Hussein nieder. Doch neben den politischen “Anspielungen” gibt es auch schwere Entscheidungen und viel Grusel.

Der Eric King?

Schon zu Beginn des Spiels werden wir mit dem eigentlichen Protagonisten des Spiels konfrontiert: dem Monster, um das es geht. Im Fall von House of Ashes handelt es sich dabei um vampirfledermausähnliche Gestalten, die nicht so begeistert sind, dass wir uns in ihr Territorium begeben. Einer der Hauptfiguren, die wir im Gegensatz zu den Vampiren spielen dürfen, ist Eric King. Ein Oberstleutnant der Air Force. Offenbar wurde in der Nähe mithilfe eines fortschrittlichen KI-Scanprogramms ein Lager mit chemischen Waffen entdeckt.

Wie es sich als Amerikaner so gehört, ist es unsere Aufgabe, uns darum zu kümmern. Wem das bekannt vorkommt, irrt nicht. Denn mit Erik Prince, einem ehemaligen Navy SEAL und Gründer von Blackwater USA, hat der Charakter vermutlich nicht zufällig eine Namensähnlichkeit. Und natürlich steht King auch vor der Entscheidung, ob weißer Phosphor eingesetzt werden sollte oder nicht.

Ein alter Tempel

Der Boden unter Kings Füßen fängt an zu bröckeln und die gesamte Truppe der fünf Hauptdarsteller landen in einem alten Tempel. In dem residierte vor langer Zeit Naram-Sin, der Gott von Akkad. Dabei haben wir nicht nur Kameraden verloren, sondern uns fehlt auch die Orientierung. Ich meine, wer kennt sich schon in einem alten Tempel aus, in dem er noch nie zuvor war? Zu allem Übel haben wir auch noch viele Kameraden verloren und das Monster ist ja auch noch da…

Als Mitglieder des Militärs haben wir natürlich auch ein paar Waffen dabei, doch die wirken nicht so gut gegen die Viecher, wie gegen Menschen. Das Einzige, was sie bewirken, ist das Verlangsamen der Vampire. Nun gilt es also, für das Überleben der fünf Charaktere zu sorgen. Ob wir das schaffen? Immerhin müssen wir die Entscheidungen treffen, und wissen nicht, was am Ende der Entscheidung wartet.

Gemeinsam gegen den Feind

Doch unsere Verantwortung besteht nicht nur daraus, die vermeintlich richtigen Dialogoptionen zu wählen, sondern auch auftretende Quick-Time-Events zu absolvieren. Ihr benötigt also nicht nur ein gutes Gespür, sondern auch schnelle Reaktionen, um die Mitglieder der Gruppe am Leben zu erhalten. Kennt ihr das Controller-Layout auswendig, solltet ihr aber zumindest hier nicht allzu viel befürchten.

Apropos befürchten. Einer der Charaktere, Salim, ist Mitglied der irakischen Republikanischen Garde, und damit eigentlich der “Feind” von King und seinen Kameraden. Doch in der Not verbündet man sich wohl auch mit seinen Feinden, um zu überleben. Denn Salim macht gemeinsame Sache mit einem der Kameraden von King, doch so ganz einfach ist das nicht. Immerhin steht Misstrauen immer im Raum, und die Frage, ob es der jeweils andere ernst meint, oder sie sich gegenseitig in den Rücken fallen.

Salim, ein Freund?

Diese Abwechslung ist durchaus angenehm und bringt einen eigenen Spannungsbogen mit. Außerdem lenkt sie etwas vom eigentlichen Übel ab. Je nachdem, welche Entscheidungen ihr trefft, kann aus den beiden sogar eine Buddy-Dynamik entstehen. Ob das auch ein Happy End gibt? Immerhin kann Salim sich gut gegen die Vampire behaupten.

Was dann aber doch einen bitteren Geschmack hinterlässt, sind die anderen Mitglieder der Gruppe. Egal, wie gut wir uns mit Salim auch anstellen, von ihnen wird er immer nur als Feind behandelt. Selbst, wenn er ihnen das Leben rettet oder wertvolle Informationen mit ihnen teilt, die sie weiterbringen. Das ist etwas schade, immerhin kann Salim als wirklich hilfsbereiter Mann gespielt werden. Die Prämisse von House of Ashes ist wirklich gut gelungen, oder das frustriert beim Spielen dann doch.

Mehr, mehr, mehr!

Obwohl der Titel nur eine Spielzeit von 4 bis 7 Stunden hat, je nachdem wie fokussiert ihr auf die Geschichte oder die Geheimnisse seid, dennoch fühlt sich der zweite Akt etwas in die Länge gezogen an. Leider haben nicht alle amerikanischen Charaktere eine tiefe Story oder bewegende bzw. moralische Handlungen, sondern sie nehmen gefühlt Platz für anderes weg. Es hätte durchaus mehr Intrigen, einen anderen irakischen Charakter oder auch andere, tiefgründigere Beziehungen der Charaktere geben können.

Nick und Jason hätten die Entwickler zum Beispiel gut in einem Charakter zusammenfassen können. Dadurch ist die amerikanische Seite natürlich deutlich stärker vertreten. Dennoch gilt es hier zu erwähnen, dass es auch dort spannende Dramen gibt, die es wert sind, zu spielen und Entscheidungen zu treffen.

Rachel und ihr Ehemann

Beispielsweise wird CIA-Agentin Rachel King gezwungen, im Rahmen der Mission mit ihrem entfremdetete Ehemann Eric auf engstem Raum zusammenzuleben und zu arbeiten. Doch nicht nur das, sie hat auch mit dem Marine Nick eine Affäre, von der ihr Mann natürlich nichts mitbekommen sollte. Das Thema tritt immer wieder zwischen den Auftritten der Vampire oder von infizierten Kameraden auf.

Für Rachel King stand die Schauspielerin Ashley Tisdale Modell und vertonte den Charakter im englischen Original sogar. Im Deutschen übernimmt Synchronsprecher Vincent Fallow die Stimme von Eric King. Die deutsche Synchro ist zudem gut gelungen und die Stimmen passen zu den Charakteren und klingen gut.

Ihr Rüpel!

Auch die grundsätzliche Darstellung der Amerikaner im Spiel, als rüpelhafte Menschen, passen zum Spiel. Es wirkt nicht so, als wollen Supermassive hier irgendeine Sichtweise auf die Charaktere pressen, komme was wolle. Immerhin ist der Untergang von Imperien auch eines der Hauptthemen. Denn House of Ashes thematisiert auch imperialistische Invasoren.

Wenn ihr also solche Menschen überhaupt nicht leiden könnt… Ihr könnt alle Charaktere im Verlauf des Spiels verlieren. Nur mal so am Rande erwähnt. Und die Tode sind auch gut inszeniert, also, falls ihr euch das mal anschauen wollt… Jedenfalls gibt es im dritten Akt noch eine Wendung, die wir aber an dieser Stelle nicht verraten.

Fazit

Im Gegensatz zum vorherigen Ableger, Little Hope, ist House of Ashes deutlich flexibler, was die Charaktere, deren Schicksale und entsprechend auch die Enden angeht. Sodass am Ende ein verzweigtes Geflecht an möglichen Auskommen steht, zusammen mit einer Vielzahl an befriedigenden Kombinationen. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und was uns mit dem nächsten Ableger erwartet. Dennoch gibt es keine großen Sprünge im Gameplay oder in der grundsätzlichen Struktur des Spiels, was nicht unbedingt schlecht sein muss. Dank des gelungenen Pacings des Spiels fallen auch Szenen, die nicht so gelungen sind, nicht groß ins Gewicht. House of Ashes ist ein tolles Horror-Erlebnis, das rechtzeitig zu Halloween auf den Markt kam. Fans des Genres werden auf jeden Fall ihren Spaß haben.

Der Key wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

 

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