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Indie Spiele-Review

Castle Morihisa im Test

Das Deckbuilding-Roguelike Castle Morihisa dreht sich um japanische Geschichte und spricht Fans des Genres an, macht aber sonst nichts Neues.

Das Deckbuilding-Roguelike Castle Morihisa richtet sich vor allem an Fans des Genres. Nicht umsonst geben die Entwickler vom Smokingbear Studio und Publisher Thermite Games das Spiel mit dem Tag „Schwer“ auf Steam an. Allerdings könnte das Setting, das sich vor allem um japanischen Horror und japanische Geschichte dreht, viele Leute interessieren. Doch statt einer Open World bietet uns der Titel verschiedene Level an, an denen wir uns entlang schlängeln und statt eines ausgefeilten Kampfsystems messen wir uns mit Karten und deren Effekten mit unseren Gegnern. Ob es wirklich so simpel ist, wie es klingt, oder ob es mehr kann, haben wir für euch herausgefunden!

Japan, 1615

Castle Morihisa spielt im Japan des 17. Jahrhunderts, genauer gesagt im Jahr 1615. Dort hat das Tokugawa-Shogunat versucht, die Samurai-Aristokratie zu regeln und diesbezüglich einige Edikte erlassen. Allerdings sind die Boten, die bei den Ishikawas auf Schloss Morihisa aufschlagen sollten, nie zurückgekehrt. Das sorgte natürlich für Gerüchte, die besagen, dass Fürst Shinjuku alle Wege zum Schloss hat sperren lasen und plant, den Thron zu besteigen. Um das zu untersuchen, lässt Regierungsinspektor Yagyu Munenori einen Spion dorthin schicken, sodass dieser das Ganze einmal untersucht. Die Wahrheit lässt sich nur leider nicht so einfach aufdecken, wie Munenori das gerne hätte und es braucht eine große Anzahl an weiterer Spione.

Kein Wunder, denn das Land rund um das Schloss ist vollgepackt mit verrückten Monstern, Yokai, Dämonen und anderen, wandelnden Leichen. Zwischendurch kann es sogar passieren, dass ihr zufällig auf andere, furchteinflößende Dinge trefft, die euch ans Leder wollen. Dabei packt euch das Spiel allerdings nicht mit Samthandschuhen an, denn ihr müsst immer wieder aufs Neue euer Bestes geben, um zu überleben. Und genau das wird an euren Ehrgeiz appellieren, nicht aufzuhören. Egal, wie oft ihr draufgeht.

Japan, 1615

Im Vergleich zu anderen Titeln des gleichen oder ähnlichen Genres, ist Castle Morihisa deutlich entschleunigt und die kartenbasierten Kämpfe laufen langsamer ab, als Echtzeit-Kämpfe. Dadurch könnt ihr euch aber auch Strategien besser zurechtlegen und sie auch ausführen, ohne blitzschnell inmitten des Kampfes auf die Bremse zu drücken oder spontan die Taktik ändern. Zusätzlich könnt ihr so viel mehr von der Atmosphäre des Titels mitnehmen und aufsaugen.

Auch das kann ein Hindernis für viele Spieler*innen sein, die eher auf schnelle Action fokussiert sind, statt langsamer Kartenkämpfe. So wirkt es für manche eher anstrengend, denn entschleunigt. Dennoch macht es eine Menge Spaß. Auch, wenn der Schwierigkeitsgrad mit der Zeit immer weiter anzieht und es von Kampf zu Kampf schwieriger wird. Nicht selten kommt ein Gefühl von Chancenlosigkeit auf, was durchaus zu Frustration führen kann, aber nicht muss.

Zufällige Auswahl

Bei den Kämpfen wählt das Spiel die Gegner aus einem Pool von möglichen Gegnern aus und stellt sie, scheinbar zufällig, im Kampf auf. Gleiches gilt übrigens auch für Elite-Gegner und Bosskämpfe, sodass ihr euch nie wirklich darauf einstellen könnt, was als Nächstes kommt. Bei Castle Morihisa zählt wirklich jede Kleinigkeit und ihr müsst sorgsam auswählen und mit euren Möglichkeiten umgehen. Ansonsten stehen eure Karten wirklich schlecht. (Pun intended.)

Dennoch haben es die Entwickler*innen geschafft, einen gelungenen und stimmungsvollen Mix aus Kartenspiel und Roguelike auf die Beine zu stellen. Doch nicht nur das, sie haben auch verschiedene Ansätze aus anderen Spielen kombiniert. So bewegen wir uns auf der Karte wie auf einem Spielbrett, wo wir bei jedem Zug die Wahl aus fünf verschiedenen Optionen haben. Die meisten bestehen natürlich aus Kämpfen, wir können aber auch auf zufällige Ereignisse stoßen, wie beispielsweise Schatztruhen oder Elitekämpfe. Am Anfang eines jeden neuen Levels können wir zudem die Fähigkeit eines Gefallenen Helden aus der japanischen Sengoku-Ära, einsammeln.

Viele verschiedene Karten

Für unsere Kämpfe haben wir die Auswahl zwischen vielen verschiedenen Typen von Karten. Dazu gehören Angriffs- und Verteidigungskarten, aber auch Geschicklichkeits-, Fluch-, Störungs- und Taktikkarten, die jeweils andere Nutzen haben. So sind die meisten davon vorteilhaft, einige andere aber auch wieder nicht. Um eine Karte zu spielen, müssen wir Aktionspunkte ausgeben, von denen wir maximal zehn Stück zur Verfügung haben. Dadurch müssen wir klug vorgehen und ein bisschen Glück haben, um mit unseren Karten weit zu kommen. Damit wir aber zumindest etwas besser planen können, zeigt uns das Spiel an, was unsere Gegner als Nächstes ausführen.

Sollte uns einmal der virtuelle Tod ereilen, beginnen wir wieder mit unserem Grunddeck der gewählten Klasse von vorne. Insgesamt können wir aus vier Klassen wählen, die sich aus Mönch, Onmyoji, Samurai und Ninja zusammensetzen, wobei wir den Samurai und Ninja erst freischalten müssen. Für den Samurai spielen wir das Spiel entweder mit dem Mönch oder Onmyoji durch und für den Ninja mit dem Samurai. Dabei unterscheiden sich die Klassen aber auch in ihrer Spielweise. So ist der Mönch ein ausgeglichener Charakter, wohingegen der Onmyoji auf Statuseffekte setzt und Shikigamis beschwören kann.

Gelungene Atmosphäre

Obwohl Castle Morihisa grundlegend auf der Karten-Mechanik aufbaut, ist die größte Stärke wohl die düstere Atmosphäre. Denn die düstere und unheimlich dichte Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Spiel und macht es auch deutlich erträglicher, ständig die gleichen Gebiete zu erkunden und sich ein neues Deck aufzubauen. Und das ist wiederum der größte Makel am Spiel, denn manchmal haben wir einfach kein Glück und bekommen keine sinnvollen Karten, die wir nutzen können und zusammen funktionieren, sodass wir den Versuch eigentlich sofort aufgeben müssen. Auch wenn das Spiel auf Roguelike-Mechaniken aufbaut, ist es einfach nur extra-frustrierend, wenn wir aufgeben müssen, weil wir einfach kein Glück mit den Karten hatten. 

Fazit

Castle Morihisa spricht vor allem Fans des Genres an und ist, durch die gewählte Schwierigkeit, sicherlich nicht für jeden etwas. Mögt ihr allerdings Deckbuilding-Roguelikes und eine Herausforderung, dann solltet ihr euch den Titel nicht entgehen lassen. Besonders dann nicht, wenn ihr auf Atmosphäre steht und japanische Geschichte interessant findet. Die verschiedenen Kartentypen und die generelle Aufmachung machen schon einiges her, was man vom Balancing und dem Umfang nicht wirklich behaupten kann. Die vier Klassen, die zur Verfügung stehen, sind okay, aber da ist noch Luft nach oben. Leider kommt es viel zu oft vor, dass Runs durch Pech beim Finden von Karten zum Scheitern verurteilt sind. Ansonsten ist das ein ziemlich solider Titel.

Der Key wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

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