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Carlsen Manga Tokyo Revengers

Tokyo Revengers Band 1: Manga-Review

Tokyo Revengers ist durch Carlsen in Deutschland angekommen und beschäftigt sich mit Gangs, Zeitreisen und Entscheidungen.

In Tokyo Revengers stellt sich die Frage, was wir machen würden, wenn Zeitreisen möglich wären. Würden wir etwas verändern, wenn wir könnten? Diese Frage stellt sich die Menschheit schon seit sehr langer Zeit und hat sie auch in diversen Filmen und Serien versucht zu beantworten. Der Manga von Ken Wakui beschäftigt sich ebenfalls mit dieser Frage und so erhält Protagonist Hangaki Takemich genau die Fähigkeit, in der Zeit zurückzureisen. Im Jahr 2020 wurde der Shonen schon mit einem Preis, genauer gesagt dem Kodansha-Manga-Preis, ausgezeichnet. Es muss sich also um einen guten Manga halten, oder?

Hierzulande ist Tokyo Revengers bei Carlsen Manga erschienen.

Zurück in die Vergangenheit

Hanagaki Takemichi ist ein normaler Schüler mit – leider – gewöhnlichen Problemen. Er gilt als Loser, besitzt kein Selbstvertrauen und lebt nur so vor sich hin. Während seiner Mittelschulzeit hat er nur eine einzige Freundin, Hinata, und diese wird eines Tages von einer skrupellosen Gang getötet. Das reißt ihm den Boden unter den Füßen weg. Einen Tag nach dieser niederschlagenden Nachricht stößt ihn ein Unbekannter am Bahnsteig auf die Gleise.

Da er nun nichts mehr hat, wofür es sich, seiner Meinung nach, zu leben lohnt, schließt er schnell damit ab, dass er stirbt. Doch, anders als erwartet, öffnet er wenige Sekunden später wieder die Augen. Nicht nur stellt er fest, dass er noch lebt, sondern auch, dass er sich an einem völlig anderen Ort – und zu einer völlig anderen Zeit – befindet. Nämlich findet er sich 12 Jahre früher, in der Vergangenheit, wieder. Nachdem er diesen anfänglichen Schock verarbeitet hat, fasst er den Entschluss, seine Freundin vor ihrem Schicksal zu schützen.

Innerer Kampf

Das Erhalten von bestimmten Kräften nach einem schrecklichen Ereignis ist dabei wahrlich nichts Neues, doch ist die grundlegende Situation einfach nachzuvollziehen. Auch, wenn es sich dabei um eine übernatürliche Fähigkeit handelt, kann Takemichi sie nicht dauerhaft einsetzen oder Situationen im Allgemeinen einfacher bewältigen. Er kann sie nur benutzen, um bereits erlebte Situationen anders anzugehen.

Durch seine Reise in die Vergangenheit weiß er schon ungefähr, was alles auf ihn zukommt, dennoch ist von einem inneren Kampf geplagt. Denn, einerseits möchte er sich natürlich dagegen wehren, von der berüchtigten Tokyo-Manji-Gang angegangen zu werden, schafft das aber nicht. Dadurch entwickelt einen Selbsthass und ist sich in manchen Situationen selbst zu wider.

Drei wichtige Regeln

Glücklicherweise handelt es sich bei der Zeitreise-Mechanik von Tokyo Revengers nicht um eine überkomplizierte. Sie wird einfach, wenn nicht sogar sehr einfach, erklärt. Denn Takemichis Fähigkeit hält sich an drei wichtige Regeln. Erstens kann er nur exakt zwölf Jahre in die Vergangenheit reisen. Zweitens, sobald er dem Bruder seiner toten Freundin Hinata einen Handschlag gibt, kehrt er in die Gegenwart zurück. Und drittens, Takemichi kann nur einmal in dieselbe Zeit zurückreisen.

Das verhindert die Möglichkeit, Konsequenzen zu entgehen, indem er alle möglichen Szenarien durchspielt. Das bedeutet, er hat insgesamt zwei Möglichkeiten, eine Situation zu erleben. Die erste, wenn er zum ersten Mal dabei ist, und einmal, wenn er in der Zeit reist. 

Das Manji-Zeichen

Das Besondere an Tokyo Revengers ist zudem, dass wir einen Einblick in die gesamte Tokyo-Manji-Gang bekommen. Schon im ersten Band wird die gesamte Gruppierung vorgestellt, samt ihrer Hierarchie und Probleme. Doch neben dieser eigentlichen Hierarchie gibt es auch noch eine informelle, die auch Freunden des Bosses Privilegien zuspricht. Besonders ist jedoch, dass die Gang das Manji-Zeichen (Swastika) auf ihren Uniformen trägt. Dieses Zeichen wurde im Dritten Reich zweckentfremdet, verändert und für einen anderen Zweck genutzt. Im asiatischen Raum gilt dies als religiöses Symbol. Mehr Informationen dazu findet ihr hier.

 Dass sich Mangaka Ken Wakui gut mit den Gangs auskennt, wird auch gegen Ende des Bandes noch einmal deutlich. Da leiern die beiden Anführer der Gang, Mikey und Draken, nämlich einen Kampf gegen eine verfeindete Gang an. Warum? Weil Mitglieder dieser verfeindeten Gang die Freundin eines eigenen Mitglieds vergewaltigt haben. Sie besuchen die Eltern des Opfers und müssen dort rechtfertigen, warum dies passieren konnte. 

Fazit

Es ist sehr nachvollziehbar, wieso Tokyo Revengers vor zwei Jahren einen Award bekommen hat. Der Manga ist gut durchdacht, interessant zu lesen und macht vor allem in Bezug auf die Zeitreise-Fähigkeit des Protagonisten keine Fehler. Statt diese unnötig komplex auszuarbeiten, gibt es nur drei Regeln, an die er sich halten muss. In Kombination mit der Gang-Thematik, die ihn immer wieder beschäftigt, genau wie das mit Hinata, ergibt sich eine spannende und interessante Geschichte, von der wir gerne wissen wollen, wie es weitergeht. Bleibt zu hoffen, dass es genau so auch weitergeht und die Zeitreise-Mechanik nicht inflationär eingesetzt wird.

Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Carlsen Manga zur Verfügung gestellt.

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