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FIFA 23 im Test: Ein Knall zum Abschluss?

Mit FIFA 23 hängen Electronic Arts und die titelgebende Fußball-Organisation ihre Partnerschaft an den Nagel – mit einem Paukenschlag?

Für FIFA 23 hat Publisher Electronic Arts viel versprochen. Vom schönsten, größten und besten Fußball-Spiel aller Zeiten war die Rede. Immerhin endete am 30. September eine 30 Jahre währende und prägende Ära für viele junge und alte Fußball-Fans. Denn mit dem diesjährigen Ableger der Fußball-Simulation endet die Partnerschaft des US-amerikanischen Publishers und der in Frankreich gegründeten Organisation. Kein Wunder also, dass EA die Partnerschaft zum Abschluss mit einem Paukenschlag beenden möchte. Doch ist ihnen das auch gelungen? Wir verraten es euch!

Hypermotion 2

Kommen wir ohne Umschweife direkt zu den wohl auffälligsten Neuerungen im diesjährigen Ableger. Was uns direkt aufgefallen ist, sind die neuen Animationen im Spiel, durch die sich unsere Spieler noch deutlich flüssiger und realistischer bewegen als zuvor. Das verdanken wir der Hypermotion 2-Technologie, die nicht mehr nur auf Bewegungen von echten Spielern zurückgreift, sondern dank maschinellem Lernen auch neue und realistische Bewegungen „erfindet“.

Die neuen Bewegungsabläufe wirken sich auch auf das Spielgefühl aus, denn wieder einmal fühlt es sich deutlich langsamer und schwerfälliger an. Außerdem wurden Sprints und Dribblings entschärft, was wir vor allem bei schnellen Richtungswechseln deutlich merken. Unsere Spieler müssen erst abbremsen und dann erneut beschleunigen. Das stellt nun ein taktisches Spiel in den Fokus, das auf Pässen und Kombinationen basiert.

Powerschuss

Ebenfalls auffällig sind die neuen Powerschüsse und härteren Tackle, die die Spieler nun ausführen. Ersteres könnt ihr aktivieren, indem ihr die beiden oberen Schultertasten (L1+R1; LB+RB) drückt und gleichzeitig einen Schuss auslöst. Dann zoomt die Kamera leicht zu dem ausführenden Spieler, der einen besonders harten Schuss auflädt. Die erinnern stellenweise an die Schüsse von Captain Tsubasa und treffen wir mit einem solchen Schuss ins Tor, kann der sich wirklich sehenlassen!

Allerdings brauchen diese kräftigen Schüsse auch etwas Übung. Denn wir kontrollieren diese komlpett manuell, bedeutet, wir müssen auch genau zielen, wohin der Schuss gehen soll. Außerdem müssen wir im richtigen Moment noch einmal die Schuss-Taste drücken, damit wir auch einen ordentlichen abfeuern, sonst verreckt er schon nach wenigen Metern. Zudem dauert das Aufladen einen Moment, wodurch wir aufpassen müssen, dass die Gegenspieler nicht allzu nah an uns dran stehen.

Hartes Tackle

Das ist manchmal gar nicht so einfach, denn die Verteidiger können nun dank härterer Tackle effektiver in den Zweikampf gehen. Das merken wir vor allem an den Grätschen, die mittlerweile eine größere Bedeutung im Spiel bekommen, als noch im letzten Jahr. War die Gefahr eines Fouls beim Grätschen letztes Jahr noch exorbitant hoch, ist es inzwischen deutlich häufiger effektiv, den Ball mit einer gezielten Grätsche zu blocken oder zu erobern. Und es passieren weniger häufig Fouls.

Sollte es dann doch mal zu einer Standardsituation kommen, merken wir auch hier schnell, dass diese überarbeitet wurden. Bei Ecken und Freistößen können wir mit dem linken Stick die Kamera drehen und bekommen eine Linie angezeigt, die ungefähr zeigt, wohin der Fall fliegen könnte. Mit dem rechten Stick können wir hingegen genau bestimmen, wo wir den Ball treffen wollen. So lassen sich auch Bälle mit dem Außenrist spielen und mit Spin versehen. Das vereinfacht die doch komplizierte und umständliche Mechanik aus dem Vorgänger um einiges.

KI-Aussetzer

Auch die Elfmeter wurden wieder einmal überarbeitet. In FIFA 23 pulsiert ein Kreis um den Ball herum, der kleiner und wieder größer wird. Wir müssen also im richtigen Moment die Schuss-Taste drücken und uns natürlich für eine Ecke entscheiden. Im Anschluss platziert das Spiel automatisch den Ball entsprechend unserer Auswahl zwischen den Pfosten – vorausgesetzt, wir haben im richtigen Moment gedrückt. Ansonsten freuen sich die Leute außerhalb des Stadions über einen kostenlosen Ball. Insgesamt sind die Standardsituationen dieses Mal also deutlich einfacher, aber unserer Meinung nach nicht zu einfach.

Was aktuell noch schwer ist, ist die Defensive. Denn hier lässt uns die KI oftmals im Stich, wenn Verteidiger vom Ball weglaufen, als zum Ball oder zumindest in den Weg des herannahenden Stürmers. Auch der Torwart bekleckert sich des Öfteren nicht mit Ruhm, wenn er die kurze Ecke nicht schließt oder wenn der Spielerwechsel bei einem Konter noch nicht richtig klappt. So passiert es öfter mal, dass wir nicht den entscheidenden Spieler, der den Konter verhindern kann, auswählen können.

Verbesserungswürdiges Crossplay

Es ist also in diesem Fall wie jedes Jahr: Es braucht noch ein, zwei Updates, damit alles rund läuft. Bis auf diese Aussetzer müssen wir aber sagen, dass wir lange nicht mehr so viel Spaß mit einem FIFA-Ableger hatten, wie in diesem Jahr. Ein, zwei Problemchen müssen wie gerade erwähnt noch aus dem Weg geräumt werden, aber das grundsätzliche Spielgefühl ist sehr vielversprechend und wir hoffen, dass EA dieser Linie treu bleibt!

Wohingegen sich am Crossplay noch etwas ändern dürfte. Denn aktuell können nur Konsolen-Generationen und der PC gegeneinander antreten. Wollt ihr also mit einem Freund zusammen oder gegeneinander spielen, der auf der PlayStation 4 unterwegs ist, während ihr auf der PlayStation 5 zockt, geht das nicht. Zudem sind im Crossplay nur Eins-gegen-Eins-Modi verfügbar. Pro Clubs oder Online-Koop funktionieren nicht.

Das größte FIFA?

Die Frage, ob es sich bei FIFA 23 um das größte FIFA aller Zeiten handelt, ist nicht so einfach zu beantworten. Zwar sollen in den kommenden Monaten noch zwei WM-Modi nachgereicht werden, und die italienische Serie B ist ebenfalls wieder mit dabei, aber es gibt auch Abstriche. So ist die AS Rom nach wie vor nicht lizenziert im Spiel, genauso wie der Wegfall vom SSC Neapel, der nur noch als „Napoli FC“ auftritt und die Liga MX sowie die J League sind exklusiv in eFootball vertreten.

Auch bei den Frauen gibt es deutliche Abstriche. Zwar sind alle Teams der Women’s Super League und der Division 1 Féminine dabei, aber diese sind nur im Anstoß, Online-Saisons und in Offline-Turnieren spielbar. Hinzukommt, dass bei Teams wie Chelsea oder Olympique Lyon nicht mal die gesamte Startelf mit gescannten Gesichtern der Spielerinnen verfügbar ist. Dadurch wirkt das Ganze leider etwas halbgar.

Halbgare Änderungen der Karriere

Halbgar ist auch das perfekte Stichwort, um den Karrieremodus anzusprechen. Bis auf ein paar optische Neuerungen hat sich hier, ehrlich gesagt, nicht viel getan. Die Menüs wurden an die von Ultimate Team angepasst, sodass am unteren Bildschirmrand eine zusätzliche Übersichtsleiste zu finden ist. Ansonsten hat sich hier nicht viel getan. Lediglich als Spieler können wir jetzt unsere Persönlichkeit mit drei Werten definieren, die uns unterschiedliche Boni verleihen.

Auch verdient unser Profi nun Geld, das er ausgeben kann. Und ab und zu müssen wir Entscheidungen treffen, die ebenfalls Punkte für unsere Persönlichkeiten bringen. Das ist ein guter Ansatz, aber noch viel zu lieblos und zu wenig ausdefiniert. Ebenfalls lieblos sind die authentischen Manager, die lediglich ein Skin darstellen und keine Boni bringen. Auch dürftig ist, dass es aus den ersten beiden Bundesligen nur Edin Terzic ins Spiel geschafft hat – ohne realistisches Gesicht.

Langweilige Sequenzen

Im Karrieremodus bekommen wir jetzt für jeden abgeschlossenen Transfer eine Bewertung verliehen, die aber keinerlei Mehrwert bietet. Zwar zeigt sie an, was theoretisch möglich gewesen wäre, also, dass wir beispielsweise hätten Geld sparen können, aber es sind keinerlei Manager-Ziele damit verbunden. Es ist also nie das Ziel des Vereins, einen Transfer mit der Note A abzuschließen.

Ebenso dürftig fallen die neuen Zwischensequenzen aus, wenn ein Spieler unseren Verein verlässt oder sich ein neuer anschließt. Diese werden dann in der Geschäftsstelle emotional in Empfang genommen oder verabschiedet, aber durch die fehlende Vertonung ist das eher einschläfernd, als aufwühlend. Auch wiederholen sich diese Sequenzen viel zu schnell. Ähnlich wie die Pressekonferenzen, die langweiliger nicht hätten sein können.

Spielbare Highlights

Die wohl beste Neuerung sind aber die spielbaren Highlights, die einen ordentlichen Kompromiss zwischen Schnellsimulation und der kompletten 90-minütigen Partie darstellen. In FIFA 23 können wir jetzt also das machen, was die Madden-Reihe schon seit Jahren kann: bei ausgewählten Höhepunkten selbst ins Geschehen eingreifen. Ergibt sich also ein Elfmeter oder eine gute Kontersituation für unsere Mannschaft, springen wir nun ins Geschehen rein und können selbst für den (Miss)Erfolg sorgen.

Wie oft das vorkommt, hängt ganz an den Qualitäten der beiden teilnehmenden Mannschaften ab. Auch können wir uns entscheiden, ob wir nur Offensiv-Aktionen spielen möchten, oder nur bei Höhepunkten eingreifen, in denen unser virtueller Profi involviert ist.

Ultimate Pay2Win

Kommen wir zu dem wohl Thema, das uns jedes Jahr wieder aufs Neue beschäftigt: Ultimate Team. Nach wie vor bekommen wir hier einen Haufen Möglichkeiten, echtes Geld in Glücksspiel-Mechaniken zu stecken, damit wir am Ende eine winzige Chance darauf haben, einen Starspieler für unser virtuelles Team zu verpflichten. Der Pay2Win-Aspekt ist hier so hoch wie immer, weshalb wir einige Punkte bei der Review abziehen werden.

In diesem Jahr gibt es aber noch ein paar Änderungen am Modus, so gibt es Möglichkeiten für Spieler an neue Items zu kommen, ohne den Mehrspieler-Modus ausgiebig nutzen zu müssen. Das geschieht über FUT Moments, was kleine Herausforderungen sind, mit denen wir Packs oder andere Belohnungen verdienen können. Außerdem wurde das Chemie-System komplett verändert. Es setzt nicht mehr voraus, dass Spieler eines Teams oder eines Herkunftslandes nebeneinander aufgestellt sein müssen.

Das schönste FIFA?

FIFA 23 ist allerdings der schönste Ableger aller Zeiten. Zwar gibt es keine große Grafik-Revolution im Vergleich zum Vorjahr, doch gerade im Hinblick auf Details gibt es einen Schritt nach vorne. Es gibt mehr Spielergesichter, mehr Übertragungspakete und Wiederholungen mit Augmented-Reality-Elementen. Dadurch werden etwa Schussgeschwindigkeit oder die erwarteten Tore angezeigt. Auch der Raasen sieht noch realistischer aus und die Tornetze haben eine realistischere Physik spendiert bekommen.

Getrübt wird das Ganze nur leider von ein paar Grafik-Fehlern, wie ein einfrierendes oder komplett verschwindendes UI. Das ist bei uns bisher nicht häufig aufgetreten, aber wenn es doch mal passiert, stört dies das Spielerlebnis selbstverständlich etwas. Allerdings nichts, was nicht noch aus dem Weg geräumt werden kann.

Fazit

Ich muss sagen, ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß mit einem FIFA-Ableger wie mit FIFA 23. Dank der Hypermotion 2-Technologie wirkt das Spielerlebnis dieses Jahr so realistisch wie nie zuvor und auch die Ergänzungen wie der Powerschuss bereichern das Gameplay deutlich. Die dürftigen Änderungen im Karrieremodus trüben das Gesamtbild leider etwas, genau wie die halbgare Implementierung weiterer Frauenteams. Ultimate Team ist durch die Mikrotransaktionen nach wie vor ein Dorn im Auge, dafür ist der Detailgrad gewachsen. Insgesamt verabschiedet sich EA mit einem sehr ordentlichen Ableger aus der Partnerschaft.

Der PS5-Review-Key wurde uns freundlicherweise von Sony Interactive Entertainment Europe zur Verfügung gestellt.

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