Erster Eindruck: Endzone – A World Apart

Erster Eindruck: Endzone – A World Apart

12. März 2020 Aus Von Maurice Skotschir

Mit Endzone – A World Apart wollen uns die Entwickler der Gentlymad Studios in ein postapokalyptisches Aufbaustrategiespiel im Stil von Banished entführen.

Das neue Projekt der Pizza Connection 3-Entwickler von Gentlymad Studios, hört auf den Namen Endzone – A World Apart und entführt uns im Banished-Stil in eine postapokalyptische Welt. Was sich auf den ersten Blick nach einem weiteren „Spiel dieser Art“ anhört, dessen Geschichte eher den Präfix mangelhaft verdient, entpuppt sich in kürzester Zeit als durchaus glaubwürdiges und fesselndes Aufbaustrategiespiel, dessen Story gar nicht mal so unglaubwürdig erscheint. Denn Eco-Terroristen haben die Kontrolle über Atomkraftwerke erlangt und im Anschluss die Kerne zum Schmelzen gebracht. All das nur, damit den Regierungen dieser Welt ein Denkzettel verpasst wird. Allerdings hat das Ganze natürlich auch Auswirkungen auf die restliche Bevölkerung, die sich vor der omnipräsenten Strahlung nun in unterirdische Bunker, den sogenannten Endzones, retten musste. Nachdem sie die Regeneration der Erde für etwa 150 Jahre beobachteten haben, entscheiden sie sich, zurück an die Oberfläche zu gehen. Nun beginnt allerdings der schwierige Kampf ums Überleben.

Sandbox, Szenarien, Events?

Im Rahmen der Closed Beta durfte ich bereits einen ersten Blick auf das Spiel werfen und es anspielen. Sobald man sich im Spiel befindet, wird man an den Strategiespiel-Geheimtipp Banished erinnert, der für viele Fans des Genres einer der bedeutendsten Titel der letzten Jahre ist. Denn auch hier geht es darum, einer kleinen Siedlertruppe unter widrigsten Bedingungen das Überleben zu ermöglichen. Aktuell gibt es nur einen Sandbox-Modus mit zufallsgenerierten Karten, die wir vor dem Spielstart mit ein paar Parametern beeinflussen können. Dabei können die üblichen Dinge wie Größe der Karte, Häufigkeit von Bergen, Seen, Wäldern oder Ruinen oder die Anzahl der Start-Siedler festgelegt werden. In der fertigen Version soll es dann auf jeden Fall noch eingie Szenarien und mehr Events geben, die sich auf das Gameplay auswirken. Mehr Möglichkeiten wären auf jeden Fall wünschenswert, denn Mod-Support gibt es (noch?) nicht.

Was ist wichtig?

Startet man einen neuen Versuch sich den Widrigkeiten entgegenzustellen, beginnt man mit einem kleinen Lager rund um einen Schulbus. Zuallererst muss natürlich die Grundversorgung der Leute, zu denen auch Kinder gehören, sichergestellt werden. Die drei Grundpfeiler einer jeden Siedlung sind dabei: Nahrung, Häuser und selbstverständlich Wasser. Es ist durchaus ratsam sich einen Moment zu nehmen und nachzudenken, welches Gebäude man zuerst setzt, denn die wertvollen Anfangsressourcen sind begrenzt. Um die Wasserversorgung zu garantieren empfiehlt es sich einen Steg in den Teich nebenan und zusätzlich einen Wasserturm zum Speichern des flüssigen Golds zu setzen. Als nächstes noch eine Fischerhütte neben den Steg und den Bewohnern den entsprechenden Job zugeteilt, schon sind zumindest die ersten wichtigen Waren gesichert. Um den Einwohnern ein Dach über dem Kopf zu gewähren folgt noch ein Zeltlager, in dem bis zu 25 Siedler platz finden, und schon haben wir den Start gut gemeistert.

Das Dilemma, entscheiden zu müssen, was zuerst gebaut wird, wird erst deutlich, wenn man sich die zur Verfügung stehenden Optionen einmal genauer anschaut. Denn alleine für die Nahrungsproduktion stehen uns mit Jagd-, Sammler-, oder Fischerhütte, Plantagen oder Feldern gleich fünf Optionen zur Verfügung. Um auch auf alle diese Möglichkeiten zurückgreifen zu können, müssen natürlich Ressourcen rangeschafft werden, die zum Bauen benötigt werden. In diesem Fall sind das meistens Holz und Schrott. Neben einem Holzfäller, einer Forsthütte und einem Schrottsammler gibt es auch die Möglichkeit, ohne diese Gebäude an die entsprechenden Waren zu kommen. Dies geschieht über ein Sammelgebiet, das wir festlegen. Bewohner, die aktuell keinen festen Beruf haben, kümmern sich dann darum, die Dinge einzusammeln. Das ist zwar die einfachste und schnellste Methode, aber nicht unbedingt die effektivste. Denn wir müssen stets im Auge behalten, welche Siedler welche Aufgabe erfüllen und abwägen, ob sie nicht an anderer Stelle dringender gebraucht werden.

Keine Kinderarbeit

Kinder können und dürfen, im Gegensatz zu Frostpunk, nicht mitarbeiten. Dafür reifen sie aber mit der Zeit zu Erwachsenen heran und können dann als junge Erwachsene ebenfalls Aufgaben erfüllen. Natürlich können wir den Kindern auch eine Bildungsmöglichkeit bieten, damit diese später komplexere Aufgaben erfüllen können. Allerdings ist auch hier wieder die Frage, wie dringend eine Schule benötigt wird, denn die Ressourcen werden an anderer Stelle fehlen. Außerdem sollte immer ein Auge auf den Geigerzähler geworfen werden, denn neue Baugebiete können sich als radioaktiv verseucht entpuppen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass neue Gebiete nicht feucht genug sind, damit ein Überleben garantiert werden kann. Um auch nichts aus den Augen zu verlieren, werden die wichtigsten Nachrichten am unteren Bildschirmrand angezeigt. Mangelt es an Nahrung, kränkelt ein Siedler oder fehlt es an Unterschlüpfen, macht euch eine Anzeige darauf aufmerksam. Doch manchmal ist es schon zu spät, wenn ihr die Anzeige seht – denn der Tod ist ein ständiger Begleiter in Endzone – A World Apart.

Dies ist vor allem dann der Fall, wenn wir zu langsam auf etwaige Katastrophen oder Krankheitswellen reagieren. Denn, als wäre der postapokalyptische Alltag noch nicht schwierig genug zu meistern, suchen uns in regelmäßigen Abständen Katastrophen heim, die sich auf unterschiedliche Sachen auswirken können. Radioaktiver Regen kann das Wasser und die Nahrung verseuchen – und so die Bewohner erkranken lassen. Dürreperioden sind schlecht für die Felder und Wasser lässt sich nicht mehr aus Seen holen. Oder ein Sandsturm sucht unsere Siedlung heim, was zum aktuellen Zeitpunkt aber noch keinen wirklichen Einfluss hat. In Zukunft sollen sie aber dafür sorgen, dass Gebäude beschädigt werden und somit wertvolle Ressourcen erst in die Reperatur gesteckt werden müssen, bevor wir uns um den Ausbau der Siedlung kümmern können. Das macht das Spiel noch härter, als es ohnehin schon ist. Auch fehlende Tipps, wie man mit den Extremsituationen am besten umgeht, tun ihr Übriges. Unter anderem deshalb wird man in Endzone das ein oder andere neue Spiel anfangen (müssen), bis man wirklich raus hat, wie man weiter im Spiel fortschreitet. Das kann einerseits frustrierend sein, andererseits aber auch ein Ansporn, wenn man neue Dinge lernt. Bis zum Early-Access-Launch im Frühjahr 2020 wollen die Entwickler aber noch nachbessern und sowohl an der Benutzerführung als auch am Balancing arbeiten. Selbst die aktuelle Closed Beta bekommt fast täglich Updates mit Fehlerbehebungen, Optimierungen und anderen Anpassungen.

Fazit

Um auf das Level von Banished zu kommen, fehlt Endzone – A World Apart noch etwas Feinschliff. Das ist an dieser Stelle aber überhaupt nicht negativ gemeint, denn der Titel der Gentlymad Studios ist noch in einer recht frühen Phase des Entwicklungsstadiums und hat noch viel Potenzial in sich, das genutzt werden möchte. Dafür haben die Entwickler aber definitiv verstanden, was den Reiz des mittelalterlichen Pendants ausmacht und entsprechende anreizende Spielmechaniken eingebaut. Zwar gibt es durchaus ein Wechselbad der Gefühle, das gerne zwischen Frust und Motivation hin und herspringt, allerdings wird am Balancing wie bereits erwähnt noch geschraubt. Auch etwas Schade ist, dass man momentan noch keine wirkliche Beziehung zu seinen Siedlern aufbauen kann. Das Schicksal der Einwohner berührt nicht wirklich, sodass man zwar die Einwohnerzahl im Auge behält, aber kein schlechtes Gewissen hat, wenn mal einer draufgeht. Werden aber in den kommenden Monaten die richtigen Entscheidungen getroffen und das Potenzial genutzt, könnte Endzone sich an die Spitze der Survival-Strategiespiele setzen. Vor allem dann, wenn spannende Szenarien ergänzt werden um auch längerfristig zu motivieren. Wünschenswert wäre auch eine Kampagne, aber das ist eher unwahrscheinlich. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es mit dem Titel weitergehen wird. Wer sich für die Art Spiele interessiert, sollte definitiv auch jetzt schon einen Blick auf Endzone werfen und sich eigene Eindrücke verschaffen!

Preis: 20.99 Euro oder 30.99 Euro (mit Soundtrack)

Webseite: https://endzone-game.com

Discord: https://discord.gg/HF7SaH7

Steam: https://store.steampowered.com/app/933820