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Far Cry Featured Spiele-Review Ubisoft

Far Cry 6 im Test: Mehr vom immer Gleichen

Far Cry 6 läutet die nächste Runde des Franchises ein und übertrifft sich erneut mit schnöder Story und extrem unsympathischen Charakteren.

Dieser Titel ist ein Totalausfall und zeigt, was aus dem Franchise und Ubisoft geworden ist.
Maurice Skotschir

Far Cry 6 Inhaltsverzeichnis
Seite 1: Das kommt mir doch bekannt vor?Vereinigt euch!Kennste, kennste?Holt euch das UranWir suchen: die KILangeweile purLeere Kulisse, fehlende HerausforderungEindruck zerstört
Seite 2: • Fazit & Wertung

In Far Cry 6 geht es thematisch vor allem um eines: die Revolution Yaras. Dafür wartet der Titel leider selbst mit wenig Innovation und Revolution auf. Es gibt mehr vom Gleichen, viele Sachen wiederholen sich von den Vorgängern, die Aufgaben könnten nicht schnöder sein, die Charaktere nicht unsymapthischer und nerviger und die Welt und ihre Geschichte nicht generischer. Mittlerweile ähneln sich alle Spiele von Ubisoft wie die von keinem anderen Publisher. Jedes Franchise bekommt die gleichen Änderungen und so fühlt sich auch jedes Spiel gleich an.

Das kommt mir doch bekannt vor?

Bei Far Cry 6 dreht sich alles um die Geschichte von Dani, einem Waisenkind, das sich alleine auf der Inselgruppe Yara wiederfindet. Dabei können wir uns aussuchen, ob Dani männlich oder weiblich ist. Yara ist ein fiktives, tropisches Inselparadies. Hier regiert der Diktator Anton Castillo, der vom Schauspieler Giancarlo Esposito verkörpert wird. Wie es sich für einen echten Diktator gehört, kontrolliert Castillo die Medien, fährt eine massive Militärpräsenz auf und er fördert eine geheimnisvolle Droge auf der Insel.

Wem das alles irgendwie bekannt vorkommt… Ja, es ähnelt Joseph Seed und seiner (Drogen-)Sekte aus dem fünften Teil. Dadurch sehen wir wieder einmal, wie wenig Mühe sich die Entwickler des Franchises geben. Statt die gleiche Karte wie beim vierten Ableger und Primal zu verwenden, ist es hier die Geschichte des Vorgängers in neuem Gewand. Schade.

Vereinigt euch!

Doch das Land leidet unter der Herrschaft des Diktators und liegt entsprechend am Boden. Der Widerstand gegen das Regime wird größer, und so formen sich in versteckten Lagern und geheimen Bunkern ein Widerstand. Sie sammeln Vorräte und wollen Castillo irgendwann stürzen. Allerdings gibt es nicht nur eine Gruppe, die dies als Ziel hat, sondern drei verschiedene. Und natürlich ist es unsere Aufgabe, die Ideologie dieser drei Ableger auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und mit vereinter Stärke gegen die Armee aufzulaufen.

Durch eine spannende Erzählung könnte die Geschichte auch tatsächlich interessant aufgebaut sein. Doch genau hier kommen wir zum größten Kritikpunkt. Sie wird einfach nicht fesselnd rübergebracht. Die Aufgaben, die wir bekommen, sind einfach so unterhaltsam, wie die Warteschlangen bei deutschen Ämtern. Wir tuckern langsam, und mit einem monotonen Fahrzeug-Sound zum Zielort, an dem wir die immer gleichen Soldaten wieder und wieder töten.

Kennste, kennste?

In den ersten paar Spielstunden seht ihr also prinzipiell alles, was das Spiel zu bieten hat. Es sind nur ein paar Kleinigkeiten und Nebenaufgaben, die ihr dann noch sehen könnt. Das Franchise, in das wir uns verliebt haben, existiert schon lange nicht mehr. Interessantes Gameplay wich dem typischen Ubisoft-Mix aus kleinen RPG-Elementen, Kompass-Anzeige, Außenposten, die befreit werden wollen, lascher Story und drölf Sammelgegenständen. Hauptsache Beschäftigung. Auch die Bösewichte werden immer flacher – und das liegt nicht an der Performance von Giancarlo Esposito.

Die Krönung stellte dann auch noch eine wiederverwertete Mission aus Far Cry 3 dar. Wenn wir daran denken, tut uns immer noch der Kopf von der Hand weh, die wir uns ins Gesicht schlagen mussten. Denn unser Auftrag lautet, uns mit einem Flammenwerfer bewaffnet zu einer Plantage zu begeben und diese niederzubrennen, getrieben von epischer Musik. Dazu dann der Spruch “Das kommt mir irgendwie bekannt vor”… Ernsthaft jetzt? Hommagen sind ja gut und schön, aber das? Mit dem Zaunpfahl ins Gesicht. Hätte nur noch gefehlt, dass Dani uns gefragt hätte, ob wir uns an Far Cry 3 erinnern. Uff.

Holt euch das Uran

Klar, diese Plantagen-Verbrennungs-Aktion des früheren Ablegers war schon ziemlich ikonisch, doch der Rest des Spiels war bodenständiger aufgebaut. Immerhin suchten wir nach Munition und Ressourcen, um unsere Tasche zu verbessern. Im sechsten Hauptteil jedoch bekommen wir ziemlich früh vom unsympathischsten Charakter des gesamten Franchises, Juan, einen Rucksack, der zielsuchende Raketen verschießt!? Außerdem, wie sich das für “coole Jungs”, wie Juan zu sagen pflegt, gehört, stehlen wir der Armee mal eben Uran. Innerhalb der ersten Spielstunde.

Der Bogen zu solch, eigentlich, besonderen und schrecklichen Ressourcen und Waffen wird aber zu keinem Zeitpunkt aufgebaut. Sondern er wird euch, wortwörtlich, direkt zu Beginn ins Gesicht geprügelt. Dadurch gibt es auch keine Herausforderungen im Spiel. Wir haben zwar zu Beginn die Wahl aus zwei Schwierigkeitsgeraden, doch selbst der vermeintlich “höhere” ist kein Problem. Das liegt aber auch an der schlechten Gegner-KI, die euch hunderte Möglichkeiten gibt, ihnen in den Kopf zu schießen. Selbst, wenn sie auf euch zustürmen.

Wir suchen: die KI

Generell ist die KI sämtlicher Bewohner auf der Insel grottenschlecht. Bewohner laufen euch vom Straßenrand vor die Karre. Leute überfahren pausenlos Pferde, die rumstehen. Gegner, die dem Straßenverlauf in Fahrzeugen folgen, werden von eurer Präsenz so abgelenkt sein, dass sie in den nächsten Graben oder vor das nächste Hindernis rasen. Selbst wenn ihr mit gezogener Waffe in der Nähe oder vor einem Gegner steht, dauert es ewig, bis dieser euch angreift. In einer Welt, in der das gesamte Land voller Militär ist und das von einem Diktator geführt wird… Ist das nicht sonderlich glaubwürdig.

Auch die Begleiter-KI ist nicht sonderlich besser. Ihr könnt ihnen zwar Anweisungen geben – was bei einem Alligator natürlich total sinnvoll ist -, doch sie befolgen sie nur sporadisch. “Los, schnapp dir den Gegner, Guapo!” brüllen wir, während der Alligator 30 Zentimeter vor dem Gegner stehenbleibt und sich beschießen lässt. Ernsthaft jetzt? Bei Far Cry 5 setzten sich die Begleiter wenigstens noch mit zu uns ins Auto, wenn wir längere Strecken zurücklegen wollten. Jetzt laufen sie einfach hinterher – und sind dementsprechend auch oftmals nicht einsatzbereit, wenn wir am Zielort sind.

Langeweile pur

Die offene Welt von Far Cry 6 ist zwar groß und optisch ansprechend, doch wirkt sie leer und es fehlen sinnvolle Inhalte. Auf der ganzen Karte sind natürlich wieder verschiedene Kontrollpunkte verteilt, doch sie sind immer identisch. Es gibt Flugabwehrgeschütze, die die ohnehin schon eingeschränkte Bewegungsfreiheit noch weiter einschränken. Immerhin müsst ihr den ganzen Kram nicht manuell entdecken, sonst würdet ihr bestimmt einige Stunden mehr investieren müssen.

Dazu stehen Charaktere mit Klemmbrett bewaffnet in fast jedem Versteck herum, und geben euch Informationen über gewisse Orte. Die hätte man sicherlich weglassen können. Denn offenbar braucht es einen komplett kontextlosen NPC, um Spieler darauf hinzuweisen, dass es diese Orte gibt. Später merkt unser Protagonist sogar selbst, dass es nervig und langweilig ist. Immerhin hat er im Bezug auf die Aufgabe genau diese Zeile. Wortwörtlich. Und dem Entwicklerstudio ist an diesem Punkt nicht aufgefallen, dass die Spieler das genau so sehen könnten?

Leere Kulisse, fehlende Herausforderung

Beim Flug durch Yara fällt uns doch immer wieder auf, wie optisch gelungen das Paradies ist. Es ist stellenweise atemberaubend und farbenfroh. Und genau so, wie wir es uns vorstellen würden. Die Farben leuchten und die Tageszeiten machen einen deutlichen Unterschied. Doch vom Boden aus fehlt der Inselgruppe jegliche Persönlichkeit und strotzt nur so vor leeren Kulissen. Die paar Städte, die wir im Verlauf besuchen, sind, für eine laufende Revolution, ziemlich leblos.

Wenn es dann mal Gegenden gibt, die wir erkunden wollen, sind diese meist so mit Wachen übersät, dass es viel zu anstrengend ist, sich da durchzuwurschteln. Werden wir dann schnell entdeckt, was sich kaum vermeiden lässt, tauchen Soldaten aus jeglichen Winkeln der Welt auf. Als hätten sie nur auf ihren Einsatz gewartet. Zwar ist das Gunplay passabel, aber die Herausforderung fehlt. Es ist so einfach an Waffen zu kommen, die gegen die Genfer Konvention verstoßen, dass es sinnlos ist, zu benutzen.

Eindruck zerstört

Ihren Höhepunkt hat die Geschichte, wenn Giancarlo Esposito zu sehen ist. Das passiert allerdings so selten, dass es nicht mal wirklich nennenswert ist. Bald sollen noch drei DLCs folgen, in denen die Antagonisten aus den Teilen drei, vier und fünf vertreten sind. Den positiven Eindruck, den New Dawn vermittelt hat, hat Far Cry 6 mit aller Gewalt zerstört.

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