Norse: Oath of Blood verspricht taktische Wikinger-Kämpfe im taktischen XCOM-Stil, zeigt aber eine Menge Schwächen.
Mit Norse: Oath of Blood ist jetzt ein taktisches Wikinger-Spiel erschienen, das im XCOM-Stil daherkommt, sich aber von der Konkurrenz abheben möchte. Rund 30 Leute haben bei Arctic Hazard am Spiel gearbeitet, mit der Unterstützung von Tripwire Presents – dem Publishing Label von Tripwire Interactive. Ausdrucksstarke Charaktere sollen auf detailreiche Landschaften treffen – und zusätzlich noch ein taktisches Gameplay bieten. Wir haben uns die Wikinger-Saga bereits angeschaut und verraten euch, an welchen Ecken und Endes noch Arbeit benötigt.
Klassiche Rache-Geschichte
Der Titel stellt die Geschichte vom jungen Krieger Gunnar Gripsson in den Vordergrund. Zu Beginn des Spiels erlebt er mit, wie sein Heimatdorf plötzlich überfallen und sein Vater – ein einflussreicher Jarl – von einem ehemaligen Gefolgsmann getötet wird. Natürlich schwört Gunnar Rache und verschwindet mit einer kleinen Gruppe vorerst im Exil. Fortan gilt es, eine neue, eigene Siedlung zu errichten und sowohl treue Arbeiter als auch fähige Krieger um sich zu versammeln. Das Ziel ist klar: Eines Tages seinen Vater rächen.
Dabei ist die erzählte Geschichte gleichzeitig ein positive und negativer Aspekt des Spiels. Denn einerseits ist die Erzählweise nicht sonderlich raffiniert und stützt sich auf typische Klischees, ohne, dass die Charaktere Tiefgang entwickeln. So treffen wir beispielsweise auf den dauersaufenden Schmied oder dürfen uns ständig männliches Dominanzgehabe anhören und anschauen. Außerdem sind bestimmte Wendungen in der Geschichte deutlich vorhersehbar. Andererseits ist es genau das, was Arctic Hazard mit der Story erreichen möchte.
Gleicher Ablauf
Damit Gunnar sein Ziel erreichen kann, müssen wir selbstverständlich auch den ein oder anderen Kampf bestreiten. Dabei klingen die unterschiedlichen Missionen vielversprechend und abwechslungsreich. So sollen wir hier mal ein Wildschwein jagen, dort mal einen nächtlichen Überfall abwehren oder ganz simpel eine Geisel befreien. Doch grundsätzlich bleibt der Ablauf der Missionen immer gleich, bloß, dass das Ziel ein anderes ist. Denn zunächst stellen wir uns unseren Trupp zusammen, der ausgesandt wird.
Im nächsten Schritt erkunden wir die Gebiete, die meist aus Wäldern oder Küsten bestehen und suchen nach unserem eigentlichen Ziel. Abseits des Weges gibt es hier und da ein wenig Beute zum Aufsammeln oder Büsche, mit denen wir unsere Charaktere heilen können. Doch erwartet nicht zu viel Erkundung, denn die Areale, in denen wir uns bewegen, sind meist eher linear, mit wenig Möglichkeiten, eine Abzweigung zu nehmen. Haben wir das Missionsziel gefunden, wartet auch schon der Kampf auf uns.
Taktik, Taktik, Taktik!
Die rundenbasierten Kämpfe sind von XCOM inspiriert, sodass jeder Charakter eine gewisse Anzahl an Aktionspunkten hat und diese für Bewegung, Angriff, Spezialmanöver oder defensive Aktionen benutzen kann. Das Wichtigste in den Begegnungen ist daher ein taktisches Vorgehen und die sinnvolle Positionierung der eigenen Streiter. Es ist essenziell, sich mit den eigenen Charakteren auseinander zu setzen, da jeder von ihnen andere Werte und passive Boni besitzt. So können manche sich zum Beispiel vor Angriffen schützen oder ihre Aktionspunkte unter bestimmten Umständen wieder auffüllen.
Auch auf die Umgebung sollte geachtet werden, denn auf schlammigem Boden können die Kämpfer ausrutschen. Manchmal gibt es auch die Möglichkeit, eine erhöhte Position einzunehmen, was besonders für Fernkämpfer sinnvoll ist. Manche Nahkämpfer können mit ihrem Schild den Gegner auch ein Feld zurückstoßen und sie so beispielsweise in brennende Gegenstände stoßen oder in ihre eigenen Kameraden, was ebenfalls zusätzlichen Schaden verursacht.
Die Schwächen
Das Befriedigendste an den Kämpfen sind die Finisher, die dramatisch inszeniert werden und in denen die jeweiligen Waffen teils brutal ihr Ziel treffen. Leider zeigen sie aber auch wieder eine Schwäche, denn oftmals sind die Animationen nicht so on-point, wie sie sein sollten. Das bedeutet, dass manche Schläge ins Leere gehen, oder unsichtbare Waffen werden gekreuzt. Auch die Benutzeroberfläche lässt noch zu wünschen übrig. Die grundlegendsten Informationen sind zwar ersichtlich, wie die Zugreihenfolge oder der Zustand der Charaktere, allerdings fehlen auch ein paar nützliche Informationen.
Beispielsweise lassen sich die Reichweiten unserer Gegner nicht einsehen, was es oft zu einem Ratespiel macht, ob wir uns bewegen dürfen oder nicht. Außerdem sind oftmals die Gegner vor uns am Zug, wodurch sie unserer Truppe teils ordentlich Schaden machen, bevor wir überhaupt reagieren können. Auch manch nützlicher Zahlenwert, wie die kritische Trefferchance lassen sich oftmals nicht eindeutig einsehen. Hinzukommen noch ein paar teils nervige Bugs, wodurch falsch angezeigt wird, wie viele Aktionspunkte verbraucht werden. Das ist für die taktische Planung natürlich unvorteilhaft.
Die Siedlung
Nach einer Mission kehren wir in Norse: Oath of Blood in unsere eigene Siedlung zurück und müssen diese verwalten. Dazu gehört der regelmäßige Ausbau, der uns weitere Ressourcen liefert, um für mehr Erweiterungen, aber auch neue Ausrüstung für unsere Kämpfer zu sorgen. Fischerhütten liefern uns neue Nahrung, während Holzarbeiter für mehr Material sorgen. Leider passiert das alles nur via Auswahl aus einer Liste. Wir platzieren also keine Gebäude von Hand auf einem Grundstück und entscheiden uns, wo etwas steht. Stattdessen wählen wir einfach nur aus, was gebaut werden soll und es wird an einem vordefinierten Ort errichtet. Auch Verbesserungen für die Gebäude passieren so.
Zudem ist es schade, dass wir den Ausbau der Siedlung nicht sinnvoll planen müssen. Es ist also relativ egal, welches Gebäude wir als Nächstes (aus)bauen, da im Grunde alles nach und nach erreichbar ist. Wir müssen demnach kaum mit unseren Ressourcen haushalten und können einfach ein paar Züge beenden, bis wir genügend haben. Auf der Übersichtskarte sehen wir zwar andere Siedlungen, mit denen wir auch Handeln können, die aber sonst keinerlei Relevanz haben. Bislang haben wir auch keine wichtigen Entscheidungen treffen können, die zum Verrat, einer Überraschung oder gar einem Bündnis führen würden. Schade.
Bugs und Fehler
Leider strotzt das Spiel noch vor Bugs, statt vor stattlichen Kriegern. Auch, wenn manche davon recht witzig sind, wie der Oberkörper eines Charakters, der auf der Stelle verweilt, während der Rest des Körpers auf ein anderes Feld marschiert. Andere sind gleichzeitig nützlich und sehr ärgerlich, wie ein kostspieliger Gegenstand der sich plötzlich im Inventar vermehrt, aber später eine gekaufte Waffe einfach im Nirvana verschwindet. Oder Bosse, die im Kampf einen menschlichen Schutzschild vor sich halten, der vordere Charakter aber unsichtbar ist.
Auch die Framerate bricht bedauerlicherweise immer mal wieder ein, oder Klicks werden vom Spiel nicht sauber wahrgenommen. Wer außerdem mit dem Controller spielen möchte, sollte noch etwas warten. Diese ist zwar im Spiel implementiert, hat allerdings auch noch ihre Macken und funktioniert an manchen Stellen nicht richtig. Während unseres Tests gab es bereits den ein oder anderen Patch, doch das hat nicht viel an den vorhandenen Problemen gelöst.

Fazit
„Ich habe mich sehr auf Norse: Oath of Blood gefreut, denn spätestens seit Baldur’s Gate 3 bin ich ein riesiger Fan von guten, rundenbasierten Kämpfen. Zusätzlich spricht mich persönlich die Wikinger-Thematik auch sehr an, wodurch es für mich nach einem „perfect match“ schrie. Das Testen des Spiels hat grundlegend auch viel Spaß gemacht, doch die ganzen Bugs und Fehler, die immer mal wieder auftreten, zerstören das Erlebnis leider immer wieder. Die typische Rache-Geschichte wird den meisten wahrscheinlich auch eher störend vorkommen, da sie plump erzählt und vorhersehbar ist. Die Kämpfe machen hingegen, bis auf die erwähnten Probleme, Spaß und sind das Herzstück des Spiels. Enttäuschenderweise ist die Siedlungsverwaltung schwach umgesetzt und lässt viel Potenzial liegen. Aktuell kann man trotz allem mit Norse: Oath of Blood viel Spaß haben, wenn man Spiele wie XCOM feiert und sich von den vorhandenen Fehlern, die sicherlich noch ausgemerzt werden, nicht stören lässt.„
Der Review-Key für den PC wurde uns freundlicherweise von Tripwire Presents zur Verfügung gestellt.





