Digimon Story Time Stranger setzt knapp sieben Jahre später die Digimon-Story-Spiele fort und ist zu einem der besten überhaupt geworden!
Digimon Story Time Stranger setzt die Digimon-Story-Reihe fort, dessen letzter Ableger Cyber Sleuth vor rund sieben Jahren erschienen ist. Cyber Sleuth rangiert auf Steam bei „Sehr positiv“ mit 90 % positiven Bewertungen der Nutzenden und ist damit ein echter Erfolg gewesen. An diesen soll nun auch Time Stranger anknüpfen und die Dinge vielleicht sogar noch etwas besser machen. Seit dem 02. Oktober ist das Sequel für PC, PlayStation 5 und Xbox Series erhältlich und wir durften uns das Spiel anschauen. In diesem Test erfahrt ihr, was wir denken.
Phasenelektronen-Lebensformen
Zu Beginn des Spiels suchen wir uns zunächst einen der beiden Protagonist:innen aus. Die Wahl haben wir zwischen Dan Yuki, dem männlichen und Kanan Yuki, dem weiblichen Pendant. Wir erstellen uns also keinen eigenen Charakter, sondern wählen einen aus den beiden genannten, vorgefertigten Charakteren. Das hat uns nicht gestört, aber wir wissen, dass viele Spieler:innen Wert darauf legen, mit einer eigenen Kreation in Spiele zu starten. Ist die Wahl getroffen, starten wir ins Spiel.
Wir sind Agent des Sonderermittlungsbüros ADAMAS und führen einen Dialog mit Inori Misono. Warum der Name des NPCs wichtig ist, erfahrt ihr noch. Im Anschluss reisen wir in die Vergangenheit von Tokio, bevor die Stadt zum Schauplatz eines Konflikts zwischen Digimon geworden ist. Hier treffen wir auch erneut auf Inori Misono, die zu dieser Zeit allerdings noch nichts von den „Phasenelektronen-Lebensformen“ weiß, wie die Digimon in der Fachsprache genannt werden. Auch die meisten anderen wissen noch nicht, dass es diese digitalen Lebensformen gibt – und dass sich die reale Welt mit der digitalen verbindet. Wir sehen hier schon, die Handlung könnte komplexe Züge annehmen.
Komplexe, lohnenswerte Story
Da wir schon länger von der Existenz der Digimon wissen, fällt uns der Umgang mit ihnen deutlich einfacher. Inori hingegen hat noch ihre Naivität und rettet ein Elecmon, das sich wenig später zu Aegiomon weiterentwickelt. So beginnt unsere Reise, auf der wir immer mehr über die Vergangenheit erfahren und versuchen, unsere Welt in der Zukunft zu retten. Denn die Titans, eine Fraktion im Spiel, möchte die Digimon-Gesellschaft destabilisieren und sich für einen Fluch, der auf ihnen lastet, rächen. Dabei erfahren wir auch immer mehr über die ADAMAS, die Vergangenheit von Inori und selbstverständlich auch über die Geheimnisse von Aegiomon.
Diese drei Ebenen der Handlung bieten zu Beginn von Digimon Story Time Stranger viel Input, den wir erst einmal verstehen müssen. Kommen wir hinterher, eröffnet sich im Verlauf des Spiels aber eine sehr schön erzählte und teilweise auch emotionale Handlung, die wir so nicht haben kommen sehen. Selbiges gilt auch für die Glaubwürdigkeit der Welt, in der wir uns bewegen. Dabei beschränkt sich das Ganze nicht nur auf die Digiwelt, die unglaublich glaubhaft erscheint, sondern wir reisen auch beispielsweise durch Shinjuku und sind unter Menschen, statt unter den digitalen Lebensformen.
Datensatz vervollständigen
Das Highlight sind dennoch die Aufenthalte in der Digiwelt, da jede Region abwechslungsreich und glaubhaft gestaltet ist. Wir sehen demnach nicht nur schöne Landschaften, sondern können den Digimon auch bei ihren Aktivitäten zuschauen und uns so einfach mal fallenlassen. Jeder NPC, der sich in der Welt befindet, scheint dazuzugehören und wirkt nicht wie ein aufgesetzter Platzhalter, der die Kulisse füllen soll. Dadurch haben wir immer wieder das Gefühl, dass wir wollen, wie das nächste Gebiet aussieht und auf welche Digimon wir dort treffen. Der Erkundungs- und Entdeckerdrang wird also vollkommen angesprochen.
Im Verlauf begegnen wir so immer wieder Digimon, die wir beispielsweise aus den Anime-Adaptionen kennen, aber auch jene, die weniger bekannt sind. Das gilt jedoch nicht für das „Treffen“ der Kreaturen, sondern auch für uns. Denn wir können verschiedene Digimon fangen und in unser Team aufnehmen. Im Verlauf des Spiels müssen wir uns immer wieder in rundenbasierte Kämpfe begeben. Gewinnen wir diese, erhalten wir Daten der Monster, die wir besiegen und sobald der Datensatz 100 % beträgt – Maximum für jedes Digimon sind 200 % – können wir es umwandeln und nutzen.
Schere-Stein-Papier
Wie bereits erwähnt, laufen die Kämpfe rundenbasiert ab. Bedeutet also, dass es eine Zugreihenfolge gibt, in denen die verschiedenen Kreaturen an der Reihe sind und so ihren Zug machen können. Dabei laufen die Kämpfe nach einem Schere-Stein-Papier-System ab, für das der Typ (z.B. Virus), der Schadenstyp (z.B. physisch) und das Element berücksichtigt werden. Dadurch bekommen die Kämpfe eine gewisse Tiefe und sind nicht ein bloßes Abfeuern von irgendwelchen Attacken. Gerade im späteren Verlauf und bei Boss-Kämpfen gilt es, das System zu den eigenen Gunsten zu nutzen. In Boss-Kämpfen gibt es zudem eigene System wie die Break-Leiste, die das Ganze noch abwechslungsreicher gestalten.
Wer nicht gerne selbst kämpfen möchte, kann die Kämpfe auch automatisch ablaufen lassen. Hier solltet ihr euch aber bewusst sein, dass nicht automatisch der sinnvollste Move gewählt wird. Dadurch lässt sich die Automatik auch nur für kleinere, unwichtigere Kämpfe empfehlen. Später bekommen wir zudem die Möglichkeit, schwächere Gegner sofort zu eliminieren, ohne den Kampf starten zu müssen. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Nerven.
Ein weiterer, wichtiger Faktor in Digimon Story Time Stranger ist das Digitieren der eigenen Monster. Die meisten begleiten wir vom Eierzustand bis zur Mega-Form und haben dabei immer wieder verschiedene Möglichkeiten, die wir einschlagen können. Denn die Digitation hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, wie Attributen, der Persönlichkeit oder besonderen Gegenständen. So wird Veemon beispielsweise nur dann zu ExVeemon, wenn es einen gewissen Wert an Geschwindigkeit hat. Hat es stattdessen ein bestimmtes Item ausgerüstet, wird es zu Flamedramon.

Fazit
„Hier und da gibt es natürlich immer mal ein paar Sachen, bei denen man denkt, dass diese noch etwas Verbesserung gebrauchen könnten. Doch insgesamt ist Digimon Story Time Stranger das bisher beste Digimon-Spiel, das wir bekommen haben. Das liegt nicht nur an der glaubhaften Welt, die sich selten so lebendig wie hier angefühlt hat, sondern auch am tiefergehenden Kampfsystem, der toll erzählten Geschichte und den gut inszenierten Zwischensequenzen. Außerdem macht es einfach Spaß, sich ein eigenes Team aus Digimon aufzubauen und immer wieder neue Kreaturen zu entdecken, die man vielleicht noch von früher kennt. Fans machen hier definitiv nichts falsch und jene, die gute RPGs zu schätzen wissen, sowieso nicht.„
Der Review-Key für die PS5 wurde uns freundlicherweise von Bandai Namco zur Verfügung gestellt.




