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Ghost of Yotei im Test: Ein würdiger Nachfolger?

Ghost of Yotei soll an den Erfolg von Tsushima anknüpfen, ist dabei aber keine typische Fortsetzung. Gelingt der Schritt von Sucker Punch?

Mit Ghost of Yotei wollen die Entwickelnden bei Sucker Punch an den Überraschungserfolg von Ghost of Tsushima aus dem Jahr 2020 anknüpfen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine typische Fortsetzung, denn die Geschichte von Jin Sakai ist auserzählt. Stattdessen ist es ein Nachfolger, mit neuer Protagonistin, Geschichte und Gegend. 350 Jahre nach Jin erleben wir so als Atsu ihre Geschichte, die sich vor allem um Rache dreht. Immer mit dem schneebedeckten Mount Yotei im Hintergrund durchstreifen wir die Landschaft und decken immer mehr und mehr auf – auch von Atsus Vergangenheit. Ob ihre Geschichte wirklich an den Erfolg von Jin anknüpfen kann, haben wir herausgefunden und verraten es euch in diesem Test!

Quelle: Sony / Sucker Punch

Auf Rachefeldzug

Zu Beginn des Spiels erfahren wir, warum wir überhaupt in die Rolle von Atsu schlüpfen und was sie motiviert, sich auf die Suche nach den „Yotei 6“ zu machen. Denn als sie noch jünger war, überfiel eine Gruppe aus abtrünnigen Samurai – die genannten „Yotei 6“ – das Gehöft der Familie. Dabei wollten sie aber nicht einfach nur die Habseligkeiten der Familie stehlen, sondern ermordeten die Eltern unserer Protagonistin auf brutale Art und Weise. Auch Atsu selbst wurde letzten Endes schwerverletzt – dennoch kommt sie mit ihrem Leben davon. Gezeichnet mit einer langen Narbe an der linken Schulter, entscheidet sie sich, die Yotei 6 aufzuspüren und Rache an ihnen zu nehmen.

Doch statt plump einer reinen Rachegeschichte zu folgen, wird Atsu immer wieder mit moralischen Dilemmata konfrontiert und muss sich öfter der Frage stellen, ob Rache wirklich der Weg zum Frieden ist. Der ein oder andere Twist gehört natürlich auch zur Geschichte, sodass nicht immer offensichtlich ist, was als Nächstes passiert. Dennoch schwächelt die Geschichte immer mal wieder, sodass die Immersion an manchen Stellen gebrochen wurde. Insgesamt erfahren wir aber auch viel über unsere Protagonistin und ihren Charakter, sodass wir gerne in ihre Rolle geschlüpft sind.

Region Ezo

Die Ezo-Region, in der wir uns spielerisch bewegen, muss sich keinesfalls vor dem Vorgänger verstecken. Denn auch hier begegnen wir immer wieder wunderschönen Landschaften, wie blühende Blumenwiesen oder umherwirbelndes Herbstlaub. Alleine der Blick auf den Mount Yotei direkt am Anfang des Spiels zog uns direkt in den Bann. Auch die typischen Windböen der „Ghost of“-Spiele sind am Start, die uns immer wieder den Weg weisen, wenn wir nicht weiter wussten.

Kontrast zu diesen einmaligen Bildern bieten die düsteren Abschnitte von Ghost of Yotei. Beispielsweise Schlachtfelder, auf denen die Glut am Boden noch glimmt und dessen Leichen noch ziemlich frisch wirken. Zu dieser düsteren Seite gehört auch die Gewaltdarstellung im Spiel, an der nicht gespart wurde. So können wir unseren Gegnern beim Kampf Gliedmaßen oder Kopf abtrennen. Auch, wenn das ziemlich drastisch klingt, fühlt es sich im Flow des Spiels nie falsch an.

Quelle: Sony / Sucker Punch

Optik & Atmosphäre

Selbst ohne sich mit den Einstellungen des Spiels großartig zu beschaffen, bekommen wir hier ein sehr cineastisches Erlebnis geliefert, das auch auf Kameraschwenks setzt, die die fantastischen Panoramen noch mehr in Szene setzen. Wer daran gerne noch etwas optimieren möchte, kann unter anderem auf drei epische Film-Modi zugreifen, die das Spiel-Erlebnis deutlich beeinflussen können. Zum einen gibt es (wieder) den Kurosawa-Modus, der eine Schwarz-Weiß-Optik aktiviert. Außerdem gibt es noch einen Modus, der vom Regisseur Takashi Miike (Dead or Alive, 1999) inspiriert wurde und mehr Schlamm und Blut hinzufügt. Zu guter Letzt gibt es noch den Watanabe-Modus, der nach dem Anime-Regisseur Shinichiro Watanabe (Cowboy Bebop) benannt wurde. Hierfür wurden mit verschiedenen Künstler:innen Lo-Fi-Tracks komponiert, die an besagten Anime erinnern.

Auch der Standard-Soundtrack fügt sich perfekt in die Welt ein und unterstützt die Atmosphäre. So werden beispielsweise besondere Story-Momente mit japanischer Folklore unterlegt, während Italowestern-Klänge generell der Atmosphäre dienen, während wir uns durch die Welt bewegen. 

Die Open World

Wo wir gerade von der Open-World sprechen: Grundlegend bleibt Sucker Punch dem Vorgänger treu und füllt die Welt mit den typischen Sachen, die wir erwarten würden. Dazu gehören natürlich auch heiße Onsen, um darin für Lebensenergie zu baden oder Füchse, denen wir für Crafting-Materialien folgen müssen. Allerdings schaffen sie es, noch etwas mehr Abwechslung hereinzubringen. So zeichnen wir unter anderem bestimmte Landschaftsabschnitte mit dem Touchpad des DualSense-Controllers und erhalten so neue Skins für unsere Waffen. Generell nutzen die Entwickler:innen die Features des Controllers immer wieder an passenden Stellen. Unter anderem wird das Lagerfeuer mit einem Pusten in das Mikro des Steuergeräts entfacht.

Zwar sind wir die meiste Zeit alleine unterwegs, doch sehen wir immer wieder eine Wölfin, die uns unbemerkt zu begleiten scheint. So rettet sie uns beispielsweise hin und wieder im Kampf, wenn wir zu sterben drohen, oder sie greift eigenständig Feinde an. In der Spielwelt können wir zudem andere Wölfe retten, die uns dann einen Fertigkeitspunkt geben, mit denen wir neue Fähigkeiten für die Wölfin freischalten können. Das Ablaufen der interessanten Punkte und Sammeln der Sammelgegenstände macht so deutlich mehr Spaß als im Vorgänger. Nicht zuletzt, weil wir für jede abgeschlossene Aufgabe auch eine nützliche Belohnung, wie eine Rüstung, Waffe oder einen Fertigkeitspunkt für Atsu selbst bekommen.

Quelle: Sony / Sucker Punch

Schere, Stein, Papier

Bisher haben wir viel über die Geschichte, die Welt oder die Aktivitäten gesprochen, doch noch nicht über das eigentliche Kernsystem: den Kampf. An der Stelle können wir aber direkt sagen, dass das wichtigste Element von Ghost of Yotei überzeugen kann. Haben wir im Vorgänger noch recht statisch, mit verschiedenen Haltungen, mit dem Katana gekämpft, ist Atsu versierter. Sie kann auf eine große Auswahl von verschiedenen Nah- und Fernkampfwaffen zurückgreifen. Dazu gehören Doppel-Katanas, ein Odachi oder auch das Kusarigama. Auch Bögen, Bomben oder Schusswaffen gehören zum Arsenal. Die verschiedenen Waffen-Kategorien schalten sich im Verlauf der Geschichte frei.

Die diversen Nahkampfwaffen sind dabei nicht nur für die Abwechslung dar, sondern stellen einen wichtigen Pfeiler der Kämpfe dar. Denn um gegen die Gegner zu bestehen, müssen wir ein „Schere, Stein, Papier“-System anwenden. Entsprechend gibt es für jeden Gegnertypen auch den passenden Konter – selbiges gilt natürlich für uns. Unter anderem kontert ein Speer Feinde mit zwei Waffen und das große Odachi ist besonders effektiv gegen große Gegner – klingt sinnvoll, oder? Neben dem offenen Kampf gehört aber auch das stille Herumschleichen zum Spiel. So greifen wir aus dem hohen Gras mit unserem Bogen an, führen Takedowns aus oder lenken Feinde mit entsprechenden Wurfgefäßen ab.

Quelle: Sony / Sucker Punch

Fazit

Um die Eingangsfrage direkt auch zu Beginn des Fazits zu beantworten: Ja, Ghost of Yotei ist ein würdiger Nachfolger! Gerade, wenn ihr Ghost of Tsushima gefeiert habt, macht ihr mit dem Sequel überhaupt nichts falsch. Leider ist die Geschichte an manchen Stellen etwas zäh, was aber auch Tiefgang für Atsu ermöglicht. Die Open World ist inszenatorisch mal wieder auf einem sehr hohen Level, zumal sie dieses Mal etwas abwechslungsreicher geworden ist. Nicht nur, was die wunderschönen Landschaften betrifft, sondern auch die Sammelgegenstände. Auch das Kampfsystem hat sich mit dem „Schere, Stein, Papier“-System und den unterschiedlichen Waffenarten weiterentwickelt und bietet so mehr als schnödes Wechseln der Haltung. Ich hatte rund 30 Stunden lang meinen Spaß und kann euch den neuesten Sucker Punch-Streich nur ans Herz legen!

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