„Drova 2“ soll zwar erst voraussichtlich 2028 erscheinen – wir durften allerdings schon einen ersten Blick auf den Indie-Titel werfen.
Die Ankündigung, dass „Drova 2“ in der Mache ist erfolgte erst kürzlich und war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Immerhin hat der Vorgänger in eine Kerbe geschlagen, die lange unbesetzt blieb: ehrliche, düstere Fantasy im Stile eines „Gothic“. Lediglich der Stil war anders und hievte das Action-Rollenspiel in eine 2D-Welt. Warum „Drova“ sehr gut bei den Spielenden ankam, konnten wir in unserem eigenen Test sehr gut nachvollziehen. Ob der Nachfolger daran anknüpfen kann, konnten wir in einer Vorabversion überprüfen und verraten euch unseren Eindruck in dieser Preview.
Waffen & Magie
In der Vorabversion von „Drova 2: Torn Lands“ können wir uns einen Helden zusammenstellen, wobei sich die Optionen rein auf Ästethisches beschränken. Das ist aber gar nicht so schlimm, denn das Aussehen spielt im Spiel eher eine untergeordnete Rolle. Zum einen macht der Held nur einen kleinen Teil des Geschehens auf dem Bildschirm aus, zum anderen tragen wir im Verlauf andere Ausrüstung, die Einfluss auf das Aussehen hat. Ist der Held erstellt, landen wir in einem kurzen Kampf-Tutorial, in dem wir uns eine Waffe auswählen können. Die Auswahl beinhaltet neben einem Schwert, einer Axt und einem Speer noch einen Bogen und ein magisches Siegel. Das Siegel ermöglicht es uns, druidische Magie zu wirken. Dazu gehört beispielsweise das Herbeirufen einer Ranke, um Gegner zu attackieren, oder das Abfeuern eines Energiestoßes.
Der Kampf orientiert sich natürlich am Vorgänger und ist Action-Rollenspiel typisch, wobei es ein, zwei Besonderheiten gibt. So verbraucht das Angreifen mit der Waffe keine Ausdauer, das Ausweichen allerdings schon. Und ja, beim Ausweichen gibt es ein paar der sogenannten „I-Frames“, also ein kurzes Zeitfenster, in dem der Charakter unverwundbar ist. Entsprechend gilt es aufzupassen, wann genau wir ausweichen und wann nicht. Denn sobald die Ausdauer leer ist, brauchen wir eine kurze Pause zum Regenerieren.
Die Zerrissenen Lande
Treffen wir einen Gegner, leert sich seine Taumel-Leiste. Haben wir es geschafft, diese komplett zu leeren, ist der Gegner für einige Sekunden benommen und kann sich nicht wehren oder ausweichen. Die Gegner zum Taumeln zu bringen ist zwar nicht ganz so essenziell wie in anderen Action-Rollenspielen, dennoch kann das eine gute Option sein, um extra Schaden auszuteilen. Das bietet sich vor allem dann an, wenn wir es mit ganzen Gruppen aus Gegnern zu tun haben, denn dann wird es herausfordernd, zu bestehen und wir können jeden Schaden gebrauchen, den wir austeilen können.
Die Schwierigkeit den Kampf zu bestehen wird dann noch größer, wenn die Umgebung sich einmischt und beim Ausweichen plötzlich Hindernisse im Weg sind. Oder wenn beim Versuch, Abstand zu gewinnen, kein offenes Gelände mehr zur Verfügung steht. Sobald Gegner es schaffen, uns einzukreisen, wird es schwierig da noch lebend rauszukommen. Nicht umsonst befinden wir uns in den „Zerrissenen Landen“ – wir werden schnell mal zerrissen.
Hör genau zu
Dass die Spielwelt und das Spiel „Zerrissene Lande“ heißt, bedeutet aber nicht, dass wir uns in einer drögen, eintönigen Welt befinden. Ganz im Gegenteil, die Zerrissenen Lande sind wunderschön gestaltet, mit vor sich hinplätzschernden Bächen, singenden Vogelschwärmen und anderem Getier, das sich in die Umgebung einfügt. So passierte es nicht selten, dass wir während dem Erkunden einfach stehengeblieben sind und die Atmosphäre der Szenerie genossen haben. Sofern keine Gegner in der Nähe waren, versteht sich.
Dennoch lässt sich auch in Drova 2 wieder viel in der Welt entdecken, wobei sich einiges auch aus Hinweisen oder Gespräche mit NPCs ergibt. Beispielweise ein Händler, der uns auf eine Farm in der Nähe aufmerksam machte, die Arbeitskräfte sucht. Doch spätestens, wenn wir dem Händler eine Karte abkaufen und dann merken, dass wir noch zusätzlich Tinte erwerben müssen, um auf der Karte zu malen, wissen wir, woran wir sind. Denn an der Design-Philosophie hat sich im Nachfolger nichts ändert. Immer noch gilt es, Beschreibungen von NPCs zu deuten, um ans Ziel zu gelangen.
Lehrmeisterin
Haben wir erfolgreich den Hof erreicht, erfahren wir von einem eher unangenehm wirkenden Mann, dass irgendetwas das Land und damit die Felder vergiftet. Zu seinem Glück hat er noch ein paar Geldstücke für einen eifrigen Abenteurer übrig, der sich das Ganze mal anschauen möchte. Also machen wir uns auf die Suche nach Hinweisen und entdecken dabei Kassandra. Kassandra ist eine Druidin, die auf dem Hof lebt und uns als potenzielle Lehrmeisterin dient. Denn auch in Drova 2 können wir unsere Fähigkeiten nur mit einem passenden Lehrmeister verbessern. Für Stufenaufstiege kriegen wir zwar Erfahrungspunkte, mit denen verbessern wir aber nur unsere Attribute.
Doch zurück zu unserer Aufgabe, die eine Problematik offenbart. Wir sollen für die Frau des Hof-Besitzers ein paar Feldfrüchte ernten und das ließ uns hier und da auf ein Problem stoßen. Nämlich gibt es nur eine Taste, die sowohl für Interaktionen mit Gegenständen, als auch für Gespräche mit NPCs. So kann es durchaus vorkommen, dass wir beim Aufheben eines Gegenstandes plötzlich mit dem NPC sprechen. Das ist etwas umständlich und nervig, aber noch lange kein Beinbruch. Was draußen, in der offenen Welt eher weniger problematisch ist, ist in geschlossenen Gebäuden schon ein größeres Thema.
Ich wollte gar nicht steheln!
Denn auch in Gebäuden können ein paar Gegenstände herumliegen oder interaktive Elemente sein, wie Truhen. Das Problem daran ist, dass diese Gegenstände natürlich jemandem gehören. Entsprechend wäre das Entwenden dieser Sachen Diebstahl. Hier schlägt dann nochmal die gerade angesprochene Problematik zu: wir wollen mit einem NPC interagieren, stehlen stattdessen aber etwas. Dadurch bekommen wir kein Gespräch mit der Person, sondern einen Kampf mit allen Anwesenden. Das ist leider wirklich sehr nervig.
Doch auf der Farm gibt es noch mehr zu sehen und zu entdecken. Beispielsweise ein Schafhirte, der gerne ein paar Bärenfallen hätte und dafür jemanden sucht, der diese für ihn baut. Nehmen wir diese Aufgabe an, bekommen wir eine Einführung in das Crafting-System des Spiels, das in der Vorabversion aber noch recht rudimentär ist. Immerhin lassen sich schon ein paar einfacherere Verbrauchsgegenstände basteln, wie Wurfdolche oder gebratenes Fleisch. Für alles Weitere müssen wir die entsprechenden Rezepte finden.
Volle Pfund aufs Maul
Früher oder später verlassen wir die Farm jedoch wieder, auch wenn es hier echt viel zu erledigen und zu entdecken gibt. Dennoch gibt es ja auch noch eine Hauptquest, die erledigt werden möchte. In unserem Fall mussten wir an der Stelle auf die Suche nach einer verschollenen Lieferung gehen, die bisher nicht eingetroffen ist. Und beim Streifen durch die Welt haben wir erfahren, wieso die Zerrissenen Lande so heißen, denn der Name macht der Welt alle Ehre. An jeder Ecke finden wir Kreaturen und Getier, das uns ans Leder will. Überall lauern Gefahren – hinter jeder Kurve, in jedem Busch. Überall.
Das ist vor allem deshalb ein größeres Problem, weil die Gegner uns gefühlt durch die halbe Welt jagen, bevor sie wirklich von uns ablassen. Es scheint so, als hätten unsere Feinde nur ein Ziel: Uns ordentlich aufs Maul zu geben. Doch glücklicherweise ist das Kampfsystem auch im Nachfolger wieder gut gelungen und belohnt uns für, wenn wir die Umgebung zu unserem Vorteil nutzen. Beispielsweise durch Fallen, die erheblichen Schaden bei Feinden verursachen können. So lässt sich die Gunst zu unserem Vorteil drehen.
Was wohl passiert?
Sollten wir aber doch einmal zu Kleinholz geprügelt werden, ist das kein wirklicher Beinbruch. Immerhin können wir jederzeit im Spiel frei speichern und laden, sodass ein virtuelles Ableben nur ärgerlich, aber nicht sonderlich frustrierend ist. Außerdem können wir einfach auf „Erneut versuchen“ klicken und so in der Nähe des Ort des Ablebens wieder neustarten können. Das ist gut, denn den Button haben wir des Öfteren klicken müssen, da ein falscher Schritt auf einen Gegner schon das Ende bedeuten kann.
Apropos Ende. Wie das Ende der Vorabversion genau aussieht, wollen wir euch an der Stelle nicht verraten, wollen es aber doch einmal anschneiden, da wir gespannt sind, wie es weitergeht. Denn im Laufe der Hauptquest schickt uns das Spiel zur Druidin Kassandra um ein Ritual durchzuführen, mit dem sich herausfinden lässt, warum das Land rund um die Farm vergiftet ist. Am Ende des Rituals schlägt uns – und alle Anwensende – ein mächtiger Geist bewusstlos. Dann erfahren wir noch, dass neue Charaktere auf die ganzen bewusstlosen Bewohner stoßen – und schon endet das Spiel. Der Cliffhanger ist gut gewählt und lässt uns neurigerig zurück.
Fazit
„Drova 2 knüpft spielerisch dort an, wo Drova 1 aufgehört hat und erweiter die Welt an den richtigen Stellen. Es bleibt sich auch in den Punkten treu, die manche als störend empfinden könnten. Das gilt vor allem für die Tatasche, dass wir anfangs nur ein halbes Hemd sind, das von allem und jedem in der Welt geschallert wird. Entsprechend befriedigend ist aber auch der Fortschritt, wenn wir besser werden und plötzlich keine leichte Beute mehr sind. Auch das Erkunden der Welt belohnt uns immer wieder mit Gegenständen, interessanten und schönen Orten oder einfach Quests. Das Kampfsystem ist gleichzeitig vergebungsvoll und gnadenlos. Immerhin kosten Angriffe keine Ausdauer, dafür aber das Ausweichen – und gerade große Gegnergruppen sind eine echte Herausforderung. Doch insbesondere die letzte Quest der Vorab-Version und dessen Ende zeigt, worin die Stärken von Drova liegen. Und das ist vor allem eine glaubhafte, echt wirkende Fantasy-Welt zu erschaffen, in der wir versinken können.„





