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Drova: Forsaken Kin im Test – Piranha Bytes wäre stolz

Mit „Drova: Forsaken Kin“ hebt das Entwicklerstudio Just2D das Gothic-Gefühl in eine 2D-Pixel-Welt und überzeugt damit auf ganzer Linie.

Mit „Drova: Forsaken Kin“ veröffentlicht das deutsche Indie-Team von Just2D ihr Erstlingswerk und überrascht damit viele Leute. Denn Drova ist nicht einfach nur ein Rollenspiel in 2D-Optik, sondern es setzt auf ein ganz bestimmtes Spielgefühl: Gothic. Wir sind uns zwar sicher, dass dieses eine Wort für viele von euch ausreicht, um zu wissen, was wir meinen. Doch einmal für alle: Es geht um eine raue Mittelalter-Fantasy-Welt, in der an jeder Ecke Gefahren und markante Charaktere lauern. Hinzukommen eine tolle Atmosphäre und sehr viel zu entdecken. Das zeigt auch die Spielzeit von etwa 40 Stunden. Wir durften uns Drova einmal genauer anschauen und verraten euch in unserem Test, warum Piranha Bytes stolz wäre.

Quelle. Just2D

Jetzt setzt es was!

Der Anfang des Spiels ist entsprechend gnadenlos und wenig geführt. Wir werden in eine offene Welt geschmissen, in der wir nur ein grobes Ziel vor Augen haben. Nämlich einen magischen Stein bei einem Druiden abliefern. Also machen wir uns, bewaffnet mit einem Ast und ohne wirkliche Rüstung, auf die Suche. Dabei müssen wir allerdings höllisch aufpassen, wohin wir gehen, denn in jedem Busch und hinter jeder Ecke lauern Gefahren, die auf unvorsichtige Abenteurer, wie wir einer sind, warten. Ein falscher Schritt und wir bekommen „volle Pfund aufs Maul“.

Haben wir den Anfang soweit unbeschadet geschafft, bekommen wir eine ziemlich wichtige Info, die unseren weiteren Spielverlauf beeinflussen wird. Nämlich, dass sich die Bewohner im Spiel in zwei Lager aufgeteilt haben und jedes dabei eigene Ziele verfolgt. Zum einen gibt es das Lager der „Nemeton“, die  sich vor allem göttliche Kräfte zunutzen machen möchten. Auf der anderen Seite gibt es das Ruinenlager, die einfach nur fliehen wollen und entsprechend einen magischen Ausgang suchen.

Viel zu entdecken

Und wer das große Vorbild Gothic gespielt hat, weiß genau, was mit der Info der zwei Lager anfangen müssen. Denn im weiteren Spielverlauf müssen wir uns für eines der beiden Lager entscheiden und helfen, ihr jeweiliges Ziel zu erreichen. So erledigen wir Aufgaben und bauen uns nach und nach einen Ruf auf. Für das Bestehen der Aufgaben gibt es natürlich verschiedene Belohnungen, darunter Gold, Erfahrung oder bessere Ausrüstung, die sehr willkommen ist. Je nachdem, für welche Seite wir uns entscheiden, treffen wir im Verlauf auch andere Charaktere und ändern den Verlauf der Handlung.

Die zu erledigenden Aufgaben starten dabei selbstverständlich recht sachte. Unter anderem müssen wir Apfeldiebe oder verschollene Arbeiter finden, oder einfach nur Materialien beschaffen, um eine Brücke zu reparieren. Später bestehen unsere Quests dann darin, Jäger auf Bärenjagd zu unterstützen, uralte Ruinen zu erkunden oder die Geheimnisse des Dunkelwaldes aufzudecken. Zwischendurch finden wir auch immer mal wieder kleinere Rätsel, sodass sich das Erkunden wirklich lohnt. Besonders positiv ist, dass wir in einen „Untersuchungsmodus“ wechseln können, mit dessen Hilfe wir beispielsweise Geheimgänge oder versteckte Schätze entdecken können.

Quelle. Just2D

Spaßige Nebenaufgaben

Auch, wenn sich der Handlungsverlauf an die Entscheidung des Lagers, das wir unterstützen, anpasst, gibt es nur wenige Quests, die nicht linear verlaufen. Entsprechend selten sind unterschiedliche Lösungswege für Aufgaben oder Entscheidungen, die wirklich Konsequenzen nach sich ziehen. Das ist etwas schade, aber verständlich. Immerhin muss viel bedacht werden, wenn solch komplexe Entscheidungen ständig getroffen werden können – und das ist für ein Team, das bei Drova: Forsaken Kin gerade einmal aus sechs Leuten bestand, sicherlich zu viel.

Außerdem machen die Nebenaufgaben, die es im Spiel gibt, das wieder wett. Denn auch in der Welt von Drova gibt es viel zu tun. Und das Beste daran ist, dass die Nebenaufgaben auch noch echt Laune machen und abwechslungsreich sind. So gilt es, Schafe zu hüten, Rätsel zu lösen oder einfach nur ganz simpel mit Kindern eine Runde Verstecken zu spielen. Zumal die meisten Dialoge gut und authentisch geschrieben sind. Allerdings gibt es leider keine Sprachausgabe und wir müssen alles lesen.

Schritt für Schritt

Wo sich der Titel ebenfalls viel beim großen deutschen Rollenspiel-Vorbild abschaut sind die vagen Beschreibungen, wo unser nächstes Ziel zu finden ist. So finden wir im Tagebuch nur grobe Informationen dazu. Zudem gibt es keinerlei Markierungen oder einen Kompass, der uns den Weg zum nächsten Ziel weist. Meistens gilt also, aufpassen, was die Leute sagen und versuchen, die groben Beschreibungen aus dem Tagebuch richtig zu deuten. Außerdem sollten wir uns merken, wo NPCs, interessante Orte oder Geheimnisse aufzufinden sind, wenn wir ihnen begegnen.

Wenn es um den eigenen Fortschritt geht, ortientiert sich das 2D-Rollenspiel ebenfalls beim Piranha-Bytes-Klassiker. Denn anfangs sind wir ein Nichts und Niemand und haben kaum etwas an uns, das unser Überleben garantiert. Doch mit der Zeit und der ein oder anderen erledigten Aufgabe können wir unsere Ausrüstung aufbessern und dringend benötigte Erfahrungspunkte einsacken, die wir investieren können, um in manchen Dingen besser zu werden. Schritt für Schritt erschließen wir so mehr Gebiete auf der Karte und werden nicht, wie am Anfang, von der erstbesten Ratte aus dem (virtuellen) Leben geprügelt.

Quelle. Just2D

Suchen lohnt sich

Hilfreich sind dabei auch Lernpunkte, die wir beim Levelaufstieg erhalten. Diese lassen sich auf unsere drei Attribute verteilen, wodurch sich nicht nur unsere Kampfkraft steigert, sondern wir auch Zugang zu stärkeren Waffen bekommen. Vorausgestzt, wir finden den richtigen Lehrer für das Aufbessern der Kampffähigkeiten, versteht sich. Aber das Suchen lohnt sich. Denn mit dem richtigen Lehrer für unseren bevorzugten Waffentyp schalten sich verschiedene Verbesserungen frei. Dazu gehört eine erweitere Angriffskombo oder passive Boni.

Zwar ist eine bessere Ausrüstung schon die halbe Miete, die andere Hälfte setzt sich aber aus den Angriffsmustern der Gegner zusammen. Denn in Drova: Forsaken Kin hilft die beste Ausrüstung nicht, wenn wir ständig von gegnerischen Angriffen getroffen werden. Dadurch sollten wir auf jeden Fall darauf achten, wie die unterschiedlichen Gegner agieren und ihren Angriffen ausweichen – oder sie blocken. Zumindest anfangs lassen sich Gegner auch zu freundlichen NPCs locken, die die Arbeit für uns machen können.

Lebendige Spielwelt

Dabei ist das Kampfsystem gut gelungen, auch, wenn wir anfangs praktisch keinen Schaden austeilen. Das ändert sich im Verlauf des Spiels glücklicherweise. Auch, weil wir mit jedem Treffer eines Gegners Fokuspunkte erhalten, mit denen wir Spezialangriffe entfesseln können, die unter anderem Blutungsschaden verursachen können. Dadurch ist der Schadensoutput deutlich angenehmer. Außerdem erhalten wir später noch einen Runenstein, mit dem sich Magie, wie eine Giftwolke, wirken lässt. Das ist nicht nur hilfreich, sondern auch effektiv, gerade gegen Gruppen.

Auch die Gegnervielfalt ist einer der positiven Aspekte von Drova, denn bis zum Ende des Spiels werden immer wieder neue Gegnertypen eingeführt, die uns immer wieder vor Herausforderungen stellen. Das sorgt für eine dynamische und lebendige Spielwelt, die natürlich vor allem von Gegnern, aber auch von Tieren und NPCs geprägt ist. So begegnen wir immer wieder Tieren wie Frösche, Vögel oder Glühwürmchen – neben den menschlichen NPCs und Gegnern eben.

Quelle. Just2D

Tagesablauf und Tageszeiten

Zur dynamischen und lebendigen Spielwelt kommt zudem hinzu, dass viele NPCs einem eigenen Tagesablauf folgen, der auch an Tageszeiten gebunden ist. Entsprechend vergeht in der Welt ständig Zeit und es kommt immer mal wieder zum Wechsel der Tageszeit. Dadurch sind die meisten Akteure vor allem tagsüber aktiv, dazu zählen auch Händler, die ihre Waren feil bieten oder Holzfäller, die ihre Äxte schwingen. Abends hingegen finden sich die meisten Leute dann am Lagerfeuer oder in der Taverne ein und gesellschaften etwas.

Der Abend bietet dann auch die beste Gelegenheit, ungefragt wertvolles Eigentum zu übertragen. Dabei finden sich immer mal wieder Truhen, in denen sich wertvolle Gegenstände verbergen. Diese können wir uns aneignen, wenn wir zwei Dinge beachten. Zum einen, dass uns natürlich niemand dabei beobachtet. Denn die NPCs finden es nicht so lustig, wenn wir ungefragt ihr Zuhause betreten und schon gar nicht, wenn wir etwas klauen wollen. Dann setzt es schnell mal was. Und zum anderen sollten wir das Schösserknacken-Minispiel erfolgreich abschließen, das aber weniger eine Herausforderung darstellt.

Wenig Hilfe

In Drova werden vor allem Gothic-Fans glücklich, die wenig Hilfe vom Spiel gewohnt sind. Wer das allerdings nicht so gewohnt ist, könnte sich an den langen Laufwegen und dem langen rätseln, wo etwas ist, stören. Gerade auch, weil es immer wieder Hindernisse gibt, die oftmals umgangen werden müssen und sich so eine Verschachtelung aufbaut, die wenig hilfreich ist. Grundsätzlich trägt das Fehlen von Markierungen oder deutlichen Angaben aber auch zur Immersion bei. Es ist also Geschmackssache.

Weniger Geschmackssache ist hingegen der einwandfreie Zustand des Spiels, den wir vorgefunden haben. Uns ist praktisch nichts begegnet, was unseren Fortschritt gehindert oder den Spielspaß gemindert hat. So sollte es natürlich auch sein, wenn ein Spiel schon zwei Jahre auf dem Markt ist.

Quelle. Just2D

Fazit

„Klammern wir das in diesem Jahr erschienene Gothic 1 Remake einmal aus, bietet Drova: Forsaken Kin das, worauf Fans der deutschen Kultreihe lange warten mussten: ein rundes Abenteuer in einer rauen Welt. Angefangen bei dem generellen Flair des Spiels, über die Tatsache, wenig bis gar nicht an die Hand genommen zu werden und die Erfahrung, dass alles in diesem Spiel eine Bedrohung ist. Vieles erinnert in Drova an den geistigen Bruder und entsprechend macht es vieles richtig. Sei es das Design der Aufgaben, die stets abwechslungsreich und motivierend sind, oder das Belohnen für das Erkunden der Karte. Hinzukommt ein spaßiges Kampfsystem und natürlich die schöne Pixel-Art-Optik. Lediglich die langen und unübersichtlichen Laufwege können manchmal den Spaß trüben. Gerade, weil selten auf Anhieb klar ist, wo etwas zu finden ist. Alles in Allem ist Drova: Forsaken Kin aber ein Paradebeispiel für ein Erstlingswerk. Gerade, weil der zweite Teil für 2028 angekündigt wurde, sollte jeder mal einen Blick in das Spiel geworfen haben!„

Der Review-Key wurde uns freundlicherweise vom Publisher zur Verfügung gestellt.

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