In „The Boss Gangster: Criminal Empire“ errichten wir von Grund auf ein Verbrecherimperium, müssen aber mit einigen Schwächen leben.
Die Prämisse von „The Boss Gangster: Criminal Empire“ ist denkbar simpel: fange bei Null an und errichte langfristig ein Verbrecherimperium. Dabei können wir jedoch nicht nur illegale Geschäfte betreiben, sondern sie im Verlauf auch automatisieren. Dazu gehört natürlich auch das Anheuern neuer Mitglieder, das Bekämpfen von befeindeten Syndikaten und Schritt für Schritt die Übernahme der Stadt. Allerdings läuft im von BEF Games entwickelten Titel nicht alles rund, trotz des 1.0-Releases. Wir konnten einen Blick ins Spiel werfen und verraten euch in unserem Test mehr dazu.
Legal, illegal, halblegal
In „The Boss Gangster: Criminal Empire“ müssen wir ganz von vorne, also bei Null, anfangen. So beginnt das Spiel damit, dass eine Übergabe schiefläuft und wir fliehen müssen. Im Zuge dessen verschlägt es uns in die Stadt „Night City“ – nein, die hat nichts mit Cyberpunk 2077 zu tun. In dieser Stadt fangen wir von vorne an und müssen uns entsprechend erst einmal mit dem langweiligen Kram herumschlagen: als Hot-Dog-Verkäufer oder Türsteher arbeiten und erstes Geld verdienen, um ein eigenes Büro anzumieten. In diesem können wir dann unsere Dienste den Einwohnern zur Verfügung stellen – hier geht es aber nicht bloß um einfache Dienstleistungen. Stattdessen nehmen wir Aufträge an, bei denen es darum geht, bestimmte Autos zu stehlen oder Leute verschwinden zu lassen. Wir bestimmen also in gewisser Weise darüber, welche Aufträge wir annehmen wollen und woher unser Geld kommt.
Dabei ist der interessanteste Aspekt des Spiels die Verwaltung unseres kriminellen Netzwerks. Denn es geht nicht nur darum, einfach kriminell zu sein und böse Dinge zu tun, sondern sich ein Netzwerk aus verschiedenen Unternehmen und illegalgen Aktivitäten aufzubauen, die sich gegenseitig beeinflussen. Währens sich beispielsweise Nachtclubs als legitimes Geschäft erweisen können, können wir über verschiedene Geschäfte unser Geld waschen, das wir aus illegalen Aktivitäten eingenommen haben. Und darin liegt auch die größte Stärke des Spiels.
Elf Bezirke
Dadurch entsteht, langsam aber sicher, ein befriedigender Fortschritt, der sich nicht bloß auf eine bestimmte Aktivität beschränkt. Stattdessen verdienen wir Geld, das wir für die Expansion und Erweiterung des Imperiums benutzen können und so an Einfluss gewinnen. So errichten wir ein neues Geschäft und müssen erst einmal Verantwortlichkeiten klären und Personen zuweisen, die sich darum kümmern. Schritt für Schritt erhalten wir so ein stetig wachsendes kriminelles Netzwerk. Dabei ist der Management-Part auch die wichtigste Komponente, immerhin können wir so genau befehligen, wer was und wie macht. Dazu gehören Einbrüche in neue Stadtviertel oder die Überwachung der kriminellen Machenschaften. Wir sind also ein wirklicher Verbrecherboss, nicht bloß ein Schläger, der hirnlos von einem Ärger zum nächsten dümpelt.
Um Night City in „The Boss Gangster“ wirklich zu übernehmen, müssen wir insgesamt elf Bezirke unter unsere Regie stellen. Doch rivalisierende Verbrecherfamilien stellen uns in den Weg, die das Ganze natürlich nicht einfach nur hinnehmen, wenn wir versuchen, unseren Einfluss zu erweitern. Entsprechend müssen wir nicht nur unsere Geschäfte ausweiten, sondern auch dafür sorgen, dass wir es mit den anderen aufnehmen können. Dazu gehört auch, dass wir unseren eigenen Charakter stetig weiterentwickeln und in Bereichen wie Charisma, Handeln oder dem Umgang mit Schlag- und Schusswaffen verbessern.
Wenig Dynamik
Neben den „großen“ Geschäften wie den Drogen, gibt es auch noch kleinere kriminelle Aktivitäten, die wir durchführen können. Dazu gehört beispielsweise das vorhin schon angesprochene Stehlen von Autos, oder das Knacken von Schlössern. Außerdem können wir jeden beliebigen Bürger der Stadt mit einem kleinen Minispiel bestehlen und so deren Taschen leeren. Dadurch können wir nicht nur passiv, sondern aktiv mit der Spielwelt und deren Bewohnern interagieren. Der Nachteil hier ist leider, dass diese kleinen Aktivitäten schnell eintönig werden können. Das kommt auch daher, da sie eher wie Routineaufgaben wirken und weniger wie ein kriminelles Abenteuer, wie die anderen Bereiche.
Was sich außerdem schnell als große – vielleicht auch größte – Schwäche des Spiels offenbart ist die Third-Person-Action, die, neben der Verwaltung, einen großen Teil des Spiels ausmacht. Denn besonders dann, wenn eine Interaktion mit einer rivalisierenden Gang oder der Poliziei ins Spiel kommt, macht sich die Schwäche bemerkbar. Dem Kampfsystem fehlt es nämlich an der nötigen Dynamik, um das unterhaltsam zu gestalten. So fühlen sich nicht nur die Schusswechsel unbefriedigend an, da sie ohne wirkliches Trefferfeedback auskommen, sondern es fehlt auch ein Gefühl der Kontrolle über die Situation. Das ist besonders ärgerlich, da wir selbstredend ein Teil unseres Erfolgs sein und uns beteiligen wollen.
Low-Poly-Style
Zusätzlich ist das Fahrverhalten mehr als verbesserungswürdig. Das Fahren mit dem Auto fühlt sich ebenfalls wenig befriedigend an, gerade dann, wenn wir entkommen müssen oder wollen oder eine Verfolgungsjagd aufnehmen. In solchen Situationen sollten wir unser fahrerisches Talent ausspielen können, doch stattdessen sorgt die Steuerung dafür, dass das gesamte Erlebnis mit Frust endet und die Spannung verloren geht. Sehr schade, dass so ein essenzielles System so vernachlässigt wurde.
Immerhin ist die Optik des Spiels gelungen, die sich im Low-Poly-Stil offenbart. Dadurch gewinnt der Titel zwar keine Preise für die schönste oder beste Darstellung, kann aber durchaus mit einem passenden Grafikstil aufwarten. Es ist also eher ein praktischer Ansatz, der dazu beiträgt, eine gewisse urbane Atmosphäre zu schaffen, mit Nachtclubs, die mit Neonfarben beleuchtet werden. Doch leider kommt auch die Optik nicht ganz ohne Kritik aus. So wiederholen sich Charaktermodelle sehr schnell und das Sounddesign ist inkosistent. So kommt leider keine richtig stimmige Atmosphäre auf und auch die Immersion wird dadurch immer wieder gebrochen.
Hinzukommt, dass auch die technische Seite des Spiels nicht einwandfrei ist. Es kommt immer wieder zu Einbrüchen in der Leistung. Beispielsweise bei größeren, anspruchsvollen Feuergefechten oder größeren Änderungen in Gebieten. Auch den ein oder aneren Absturz mussten wir bei unserem Test verkraften. Das ist, trotz zahlreicher Verbesserungen der Stabilität in der 1.0-Version, kein gutes Zeichen.
Fazit
„Die Prämisse von „The Boss Gangster: Criminal Empire“ ist grundlegend vielversprechend und vor allem der Management-Part macht auch viel Spaß. Doch sobald wir abseits dieses Parts schauen, wird es schnell eintönig, wenig immersiv und insgesamt dünn. Hinzukommen technische Probleme und ein wenig dynamisches System, sobald man sich in der offenen Spielwelt bewegt. Gerade die Steuerung mit den Fahrzeugen ist nicht gerade gut und vor allem wenig dynamisch. Alles in Allem steckt hier viel Potenzial drin, das jedoch an wenig, um nicht zu sagen, an fast keiner Stelle ausgereizt wird.„
Der Review-Key wurde uns freundlicherweise vom Publisher zur Verfügung gestellt.




