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Cronos: The New Dawn im Test – Survival-Horror wie er sein sollte

Cronos: The New Dawn ist der neue Streich aus dem Haus der Horror-Spezialisten von Bloober Team – und was für einer!

Mit Cronos: The New Dawn steht seit September letzten Jahres der neueste Titel aus dem Hause Bloober Team zur Verfügung. Nachdem sie bereits mit dem Silent Hill 2 eine nahezu perfekte Arbeit abgeliefert haben, wollen sie nun wieder mit einem eigenen Titel Schlagzeilen machen – und das gelingt ihnen auch. Mit 87 % positiver Bewertungen alleine auf Steam erreicht der Survival-Horror-Titel die Einordnung als „Sehr positiv“. Das spricht eine eindeutige Sprache. Auch wir durften uns jetzt in das Abenteuer stürzen und verraten euch unseren Eindruck.

Quelle: Bloober Team

Der Reisende

Statt wie in den meisten Spielen zu wissen, welcher Charakter wir sind, wie wir aussehen und was uns motiviert, wissen wir in Cronos im Grunde nichts über unseren Hauptcharakter. Denn die Spielfigur, genannt der Reisende, ist in einen raumanzugähnlichen Anzug gehüllt. Diese „Temporal Shell“ ist die Standardausrüstung der mysteriösen Organisation „The Collective“ von der wir ein Agent sind. Diese schickt ihre „Mitarbeiter“ auf Zeitreise-Missionen. Das Ziel ist entweder die Beseitigung von Unrecht oder das Reparieren von zerbrochenen Zeitlinien. Stellt sie euch also ähnlich wie die TVA aus dem Marvel-Universum vor.

Wir begeben uns also auf solch eine Zeitreise und erwachen als Reisender an Heiligabend im Polen der 1980er Jahre. In der fiktiven Stadt New Dawn wütet eine Krankheit namens „The Change“, die wir beseitigen sollen. Typische Symptome der Krankheit sind Fieber oder Husten, gefolgt von Blindheit und Paranoia. In der letzten Stufe der Krankheit werden die Leute zu sogenannten „Orphans“, furchteinflößende, geistlose Kreaturen, die wahllos alles attackieren, was sie sehen. Zudem können sie sich mit den Leichen anderer verbinden, um so an Stärke und Tödlichkeit zu gewinnen.

Text- und Audio-Logs

Der mysteriöse Charakter der eigentlich faszinierenden Geschichte wird, wie heute fast gang und gäbe, durch auffindbare Kodex-Einträge und Audio-Protokolle erzählt – und weniger durch das Spiel selbst. Wem das Sammeln dieser Gegenstände eher weniger zusagt, wird auch weniger von der Geschichte mitbekommen. Hier kommt es einfach auf denen eigenen Typ an, ob ihr empfänglich dafür seid oder nicht. Wir sind nicht so die Fans davon, die Geschichte erst mit sammelbaren Text- und Audio-Logs zusammenzusetzen.

Zumal es sehr viele Eigennamen klingt, die sich recht ähnlich sind. Wir sind als der Reisende („The Traveler“) ein Teil von „The Collective“ und müssen „The Vocation“ erfüllen. In der Zeitlinie, in der wir unterwegs sind, wütet „The Change“… Das macht dem Folgen der Geschichte, vor allem in der ersten Hälfte des Spiels, unnötig kompliziert und verwirrend.

Quelle: Bloober Team

Die Vorgänger

Obwohl wir nur ein paar Grundinformationen über die Zeitlinie haben, in der wir uns bewegen, zum Beispiel in Bezug auf die Krankheit, wissen wir genau, wen wir suchen müssen. Denn unser Ziel ist es, Edward aufzuspüren. Während wir auf der Suche nach ihm sind, finden wir auch immer mal wieder andere Reisende, die im Spiel als Vorgänger bezeichnet werden. Diese haben sich vor uns auf die Suche gemacht, sind dabei aber – offensichtlich – gescheitert und ums Leben gekommen. Passiert das, wird ein anderer Reisender aufgeweckt und nimmt dessen Platz ein.

Sollten wir unser Ziel finden, ist es unsere Aufgabe ihm die Essenz zu entziehen, eine Art Seele. Damit ermöglichen wir ihm einen Prozess namens „Aufstieg“, mit dem er sich dem Kollektiv anschließen kann. Was das genau bedeutet und wie das genau läuft? Wissen wir auch nicht. Jedenfalls sind die wenigstens begeistert von der Idee, sich einer Art Schwarm anzuschließen, der ihnen die Individualität nimmt.

Eine Pandemie?

Ebenso unglücklich waren wahrscheinlich die Bewohner von New Dawn. Denn beim Erkunden der Stadt finden wir immer wieder Hinweise darauf, was hier passiert ist. So standen die Einwohner vermutlich unter Quarantäne, in der sie sich sozial distanzieren mussten und Lebensmittel rationiert wurden. (Corona-Pandemie, anyone?) Über diese und weitere Maßnahmen schienen sich die Leute beschwert zu haben, während draußen die Orphans ihr Unwesen trieben. Es scheint ein wenig so, als hätten sie nach irgendwas gesucht, worüber sie sich beschweren können. Immerhin sind die Orphans unnachgiebig und töten einfach diejenigen, die sie vor die Nase kriegen.

Dass Cronos: The New Dawn insgesamt einen starken „Dead Space“-Vibe hat, liegt auch an den Orphans, die uns immer wieder an die Necromorphs erinnern. Doch dabei wirkt das Ganze nicht wie ein billiger Abklatsch, sondern so, als hätten sich die Entwickelnden Inspiration bei einem der besten Sci-Fi-Horror-Spiele überhaupt geholt und in ihre eigene Welt gebracht. Das sehen wir auch an der Waffenauswahl, die anfangs auf eine Handfeuerwaffe beschränkt ist. Im Verlauf erweitern wir dann unser Arsenal mit zwei Schrotflinten, einem Scharfschützengewehr und einem Karabiner. Um das Arsenal auch wirklich zu vervollständigen, lohnt es sich, die Umgebung zu erkunden, denn die meisten Waffen finden wir in der Welt. Diese lassen sich dann in gesonderten Räumen auch aufwerten.

Quelle: Bloober Team

Crafting

Der Kampf gestaltet sich dabei besonders am Anfang des Spiels recht schwierig, da wir noch kaum Möglichkeiten haben, auf andere Waffen zurückzugreifen und uns erst einmal an das generelle Gefühl gewöhnen müssen. Zumal wir sehr verwundbar sind und schnell zu Boden gehen. Außerdem solltet ihr zu jeder Zeit auf einen Kampf vorbereitet sein. Zwar gibt es auch ein Crafting-Menü, das sich jederzeit aufrufen und nutzen lässt, doch anders als in anderen Spielen, pausiert Cronos währenddessen nicht.

Hinzukommt, dass selbst tote Gegner noch eine Gefahr werden können. Erinnert ihr euch, dass wir am Anfang davon sprachen, dass Orphans die Leichen anderer nutzen können, um stärker zu werden? Jap … Um das zu verhindern, können wir die Leichen aber verbrennen. Das sollten wir auch immer tun, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Stärkere Gegner stellen eine weitaus größere Gefahr dar als sie es ohnehin schon sind.

Begrenzter Platz

Sehr limitierend ist zudem der Inventarplatz. Der lässt sich zwar im Verlauf des Spiels erweitern, dennoch standen wir immer vor der Frage, was nun wichtiger ist, dabei zu haben. Ist es der Schlüssel für den nächsten Vorratsraum, mit dessen Hilfe wir wichtige Gegenstände herstellen können, oder heben wir lieber jetzt das vor uns liegende Material auf, um es zur Not nutzen zu können? Das hat uns durchaus des Öfteren vor schwierige Entscheidungen gestellt.

Apropos Entscheidungen. Als Reisender können wir immer mal wieder Entscheidungen treffen, die einen Einfluss auf die Handlung des Spiels haben sollen. Dabei ist jedoch nicht immer klar, wie sehr diese Entscheidungen auch wirklich Einfluss haben, oder was das genau bedeutet. Was wiederum auf jeden Fall einen Einfluss hat, ist eine Entscheidung beim letzten Bosskampf des Spiels. Mit unserer Entscheidung wählen wir eines der beiden Enden, wobei keines wirklich „gut“ oder „schlecht“ ist. Laut Bloober Team soll es noch mehr Enden geben, die wir aber nicht gesehen haben.

Quelle: Bloober Team

Fazit

Bei Cronos: The New Dawn sieht man, genau wie beim Silent Hill 2-Remake, warum Bloober Team immer wieder uneingeschränkt als „Meister des Horrors“ betitelt werden. Statt eines stumpfen Horror-Survivals, das an Dead Space angelegt ist, bietet Cronos eine tolle Geschichte. Diese wird zwar durch Sammelgegenstände erzählt, lässt man sich aber darauf ein und setzt die Puzzle-Teile zusammen, eröffnet sich einem die Qualität. Doch auch spielerisch kann der Titel überzeugen. Man merkt richtig, wie man im Verlauf des Spiels stärker wird und mehr Möglichkeiten bekommt, während einem der Anfang manchmal unmöglich vorkommt. Jeder, der Survival-Horror mag, ist hier definitiv an der richtigen Stelle und erlebt für einige Stunden ein sehr, sehr schönes Spiel.

Der Review-Key für den PC wurde uns freundlicherweise von Bloober Team zur Verfügung gestellt.

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