Mit Echo Generation 2 hat Entwickler Cococucumber eine Fortsetzung des Nostalgie-Spiels aus dem Jahr 2021 auf den Markt gebracht.
Echo Generation 2 soll an den Erfolg des ersten Teils aus dem Jahr 2021 anknüpfen. Dass es überhaupt eine Fortsetzung gibt, kam doch etwas überraschend. Zwar kam der Vorgänger durchaus positiv an, doch wirklich großartige Zahlen konnte der Titel nicht vorweisen. Deshalb versucht das Entwicklerstudio auch ein paar Sachen anders zu machen und kommt so mit einigen Überraschungen daher. Vor allem rückt die Fortsetzung vom rundenbasierten Kampf des ersten Teils weg und etabliert eine Art Deckbau-Kartenspiel. Außerdem ist es vom Titel her zwar eine Fortsetzung, dennoch ist es eher ein Prequel des Vorgängers, das Jahre vorher spielt. Wir durften einen Blick ins Spiel werfen und verraten euch, ob sich ein zweiter Blick lohnt.
Vier statt zwei
Statt wie im ersten Teil, schlüpfen wir in Echo Generation 2 gleich in vier verschiedene Spielfiguren, zu denen allerdings nicht Dylan und Lily aus dem ersten Teil gehören. Stattdessen ist das Prequel in Kapitel unterteilt, in denen der Fokus auf jeweils anderen Protagonist:innen liegt. Dazu gehört unter anderem „Sister M“ – ein junges Mädchen, das in der geheimen Forschungseinrichtung aufgewachsen ist, die wir aus dem ersten Teil kennen. Sie muss ihre besonderen mentalen Fähigkeiten einsetzen, um aus dieser Einrichtung zu entkommen. Jack wiederum zeigt uns, wie er vor all den Jahren auf mysteriöse Art und Weise verschwand. Annata Z hingegen ist ein Zombie, die auf der Suche nach ihrem Kind durch die Welt irrt, während Noliva eine interstellare Kopfgeldjägerin ist, die vor einer Entdeckung steht, die ihr ganzes Leben verändern wird. Auf den ersten Blick haben diese vier Figuren nichts miteinander zu tun, doch ihre Handlungsstränge laufen mit der Zeit zusammen.
An und für sich wirken die vier unterschiedlichen Geschichten der Hauptfiguren bereits interessant und das zeigt sich auch im Verlauf des Spiels. Denn die einzigartigen Schauplätze der Charaktere sorgen immer wieder für Abwechslung und damit auch frischen Wind. Die Entwickler hatten auf jeden Fall große erzählerische Ambitionen und diese vereinen sie in den vier Charakteren. Dadurch schaffen sie es auch immer wieder, uns an den Bildschirm zu fesseln und uns zu fragen, wie es wohl weitergeht. Leider mündet das Zusammenlaufen der Handlungsstränge eher in Fragezeichen, da es eher abrupt kommt.
Jack und die anderen
Der Eindruck entsteht vor allem auch daher, dass sich Jacks Geschichte über mehrere Kapitel hinweg erstreckt, während die anderen nur jeweils ein eigenes Kapitel spendiert bekommen haben. Dadurch können sich die Geschichten nicht wirklich entfalten und doch eher anfühlen, als wären sie bloß Beiwerk. Noch schlimmer als die drei anderen Charaktere trifft es allerdings die Bösewichte, bestehend aus einem Trio extradimensionaler Wesen. Diese werden zu beginn auf spektakuläre Weise eingeführt, enden aber mit einem gehetzten Bosskampf, ohne, dass wir wirklich mehr zur Motivation dieses Trios erfahren. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen.
Apropos. Auch das Kampfsystem sorgt immer mal wieder für Frustration im Spielverlauf. Per se ist das Konzept des Kämpfes mit den Karten ja interessant, aber das Pacing ist hier komplett daneben. Denn in den Kämpfen benutzen wir ein Deck, das aus zwölf Karten, die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten bieten, besteht. Dazu gehören natürlich Angriffe, aber auch Verteidigungen oder Heilungen für die eigenen Leute. Manche Karten lassen sich nur begrenzt oft pro Kampf ausspielen, andere haben wiederum keine Einschränkungen. Pro Runde kann allerdings nur ein einziger Gegner oder Verbündeter agieren und Karten ausspielen. War einer unserer Charaktere an der Reihe, ist als nächstes einer der Gegner dran und immer so weiter. Dadurch können zahlenmäßige Überlegenheiten gar nicht zum Trage kommen. Auch dauert der Kampf dadurch länger als nötig. Es dauert drei ganze Runden, bis jeder Gegner einer Dreiergruppe einmal am Zug war.
Licht und Schatten
Was jedoch positiv am Kampfsytem hervorzuheben ist, ist dass die vier Protagonisten unterschiedliche Arten von Schaden machen und sich so eine Abwechslung, aber auch eine Vielfalt aus Fähigkeiten und Synergien ergibt. Als Zombie setzt Annata Z vor allem auf Viren und Gifte, um ihre physischen Angriffe zu verstärken. Noliva, die futuristische Kopfgeldjägerin hingegen setzt vor allem auf Feuerschaden und kann zwischen zwei unterschiedlichen Kampfhaltungen wechseln. Außerdem hat Noliva noch einen vierbeinigen Begleiter namens Strix, der eher auf Blitz- und Eisschaden setzt.
Was diese Diversität im Kämpfen in Echo Generation 2 allerdings wieder zu nichte macht ist die Länge der verschiedenen Kapitel. Pro Kapitel brauchen wir ungefähr ein bis zwei Stunden, sodass kaum genug Zeit bleibt, sich wirklich ernsthaft mit den verschiedenen Decks und Kampfstilen auseinanderzusetzen. Zumal wir direkt von Anfang an mit den unterschiedlichsten Begriffen konfrontiert werden, die sich vor allem um die Eigenschaften der Karten oder Effekte, die sie verursachen, drehen. Da wäre es wirklich schön gewesen, wenn sich alles etwas langsamer entfaltet, aber wir dadurch mehr Zeit haben, uns auch sinnvoll mit den Decks zu beschäftigen.
Malerisch
Grundsätzlich zählt der Titel eher zu den komplexere, durch die verschiedenen Features, die immer mal wieder auftauchen. Solange wir allerdings darauf achten, dass wir die Möglichkeiten nutzen, die uns das Spiel auch gibt, ist das Erlebnis aber insgesamt mehr als fair. So können wir Abzeichen ausrüsten, die hilfreiche Boni in den Kämpfen bieten, oder wir nutzen einfach unsere Fähigkeitspunkte und lassen sie nicht ungenutzt. Zu einer der essenziellen Fähigkeiten für jeden Charakter gehört beispielsweise, dass wir pro Runde zwei Karten ausspielen können. Das ist auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung, zu mal die Kämpfe so wirken, als seien sie genau darauf ausgelegt, dass wir das tun. Vor allem, weil es beim Kämpfen auch noch die Möglichkeiten gibt, „Stance-Breaks“ zu verursachen, oder die Tatsache, dass wir durch gutes Timing auch Angriffe parieren können.
Was am Spiel am stärksten wirkt ist natürlich die fantastische voxelbasierte Optik, die auch an den Vorgänger anknüpft. Hinzukommen hochdetaillierte Charaktermodelle und zur Atmosphäre passende Umgebungen und Kulissen, die zum verweilen einladen. Dabei sind die Szenerien auch schön abwechslungsreich und reichen von einem ruhigen Sonnenuntergang, über eine malerische Hütte am See, bishin zur Großstadt voller in die Luft ragender Wolkenkratzer sowie futuristisch umher fliegender Autos. Auch die musikalische Untermalung steht dem optischen Eindruck in Nichts nach und weiß in der 80er-Jahre-Nostalgie zu überzeugen.

Fazit
„Ich war doch überrascht, dass Echo Generation 2 überhaupt erschienen ist. Immerhin deutete beim Vorgänger nichts auf einen großen Erfolg hin – auch, wenn der Titel bei denen, die ihn gespielt haben, größtenteils positiv ankam. Doch der Nachfolger (oder das Prequel eher) knüpft an sinnvollen Stellen an und macht gleichzeitig an ebenso sinnvollen Stellen Dinge anders. Leider macht es davon nicht wirklich viel „gut“, sondern eher durchschnittlich, sodass an vielen Ecken und Enden noch ungenutztes Potenzial liegenbleibt. Dazu gehört unter anderem das Kampfsystem, das mit einer guten Prämisse daherkommt, aber kaum Platz hat sich zu entfalten. Auch die einzelnen Geschichten der Charaktere klingen auf dem Papier erstmal gut und konnten mich auch durchaus mitreißen, doch das Zusammenführen der vier Geschichten in Richtung Ende kommt einfach zu abrupt und inhaltslos. Und ab dann lässt die Qualität leider auf sämtlichen Ebenen – außer der Musik und der Optik – nach. Schade, hier wäre mehr drin gewesen. Wer den ersten Teil jedoch schon gefeiert hat, wird auch mit dem zweiten seinen Spaß haben.“
Der Review-Key wurde uns freundlicherweise vom Publisher zur Verfügung gestellt.




