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Evil Genius Featured Spiele-Review

Evil Genius 2 im Test

Der britische Entwickler und Publisher Rebellion schickt mit Evil Genius 2 eine Fortsetzung des beliebten Klassikers ins Rennen – erfolgreich?

Wer gerne mal seinem inneren Bösewicht Auslauf geben möchte, sollte definitiv zugreifen.
Maurice Skotschir

Mit Evil Genius 2 erblickt am 30. März 2021 ein weiteres Tycoon-basiertes Spiel das Licht der Videospielwelt. Nachdem Two Point Hospital und Spiele wie Planet Coaster und Planet Zoo ein kleines Revival des Genres eingeläutet haben, hat sich Rebellion nun um die Fortsetzung eines Klassikers bemüht. 2004 erschien der originale Titel, der an Dungeon Keeper erinnert. Als böses Genie bauen wir uns eine Geheimbasis auf und werkeln im Verborgenen an einem Masterplan. Dabei müssen wir aufpassen, dass eingeschleuste Helden anderer Staaten nicht an Informationen über unseren Unterschlupf gelangen und verraten, was wir hier eigentlich treiben.

Viel zu oft schlüpfen wir bei Spielen in die Haut des/der Helden, anstatt der/des Bösen. Dass es mehr solcher Spiele braucht, zeigen verschiedene Titel. Ihr Potenzial für einen Heidenspaß zu sorgen ist groß. Das sehen wir nicht nur an neueren Spielen wie Legend of Keepers, sondern auch an älteren wie eben Evil Genius. Besonders solche mit abstrakteren Spielprinzipien oder Ansätzen sind dabei oft eine Wohltat. Vor allem dann, wenn unser Protagonist Maximilian, ein Dr. Evil-ähnlicher Psychopath ist. Der scheut sich nicht davor, seine Mitarbeiter zur Motivation vor den Augen der anderen ins Jenseits zu schicken.

Komplex, aber zugänglich

Damit haben wir eigentlich auch schon grob das zusammengefasst, worum es in Evil Genius 2 geht. Denn wir wählen zum Spielstart einen von vier Bösewichten, der oder die unser Anführer oder unsere Anführerin ist. Ist das erledigt, kümmern wir uns alsbald um das Anheuern von Schergen und den Ausbau der Geheimbasis. Oberstes Ziel ist es dabei immer, die verschiedenen Räume und Bauten vor Eindringlingen zu schützen, sodass wir ungestört an unserem Masterplan arbeiten können. Im weiteren Verlauf heuern wir diverse Spezialisten für verschiedene Zwecke an und müssen uns immer komplexeren Herausforderungen stellen. Neue Spieler werden dabei aber an die Hand genommen und Schritt für Schritt mit den unterschiedlichen Räumen, Aufgaben und Möglichkeit vertraut gemacht.

Spieler des Originals finden sich schnell zurecht, da das grundlegende Prinzip noch das Gleiche ist, sich aber in vielen Punkten erweitert. So müssen wir uns um ein paar Grundbedürfnisse unserer Handlanger kümmern und passende Räume dafür bauen. Darunter beispielsweise eine Kaserne mit Betten und Spinden, damit sie sich ausruhen können. Außerdem noch dedizierte Orte, in denen wir unter anderem unser Gold lagern, Reaktoren für die Stromversorgung positionieren, ein Casino als „Tarnfirma“, oder auch ein Kontrollraum, der uns Sendeleistung zur Verfügung stellt, damit wir auch auf der Weltkarte Operationen („Pläne“) durchführen können.

Kriminelle Netzwerke & fleißge Wissenschaftler

Denn auch die Weltkarte ist wieder mit dabei, über die wir kriminelle Netzwerke ausheben können und von dort aus Pläne zur Unterstützung unserer Basis ausführen können. Dazu gehören unter anderem das Verdienen von Geld, Reduzieren von Argwohn oder auch Entführen von Handlangern anderer Nationen. Letztere können wir dann in unser Gefängnis werfen und nach Bedarf rekrutieren, verhören oder einfach ins Jenseits befördern. Doch gerade das Verhören ist ein essenzielles Feature des Spiels, kommen wir doch nur so an „Berichte“, die wir für das Ausführen bestimmter Pläne auf der Weltkarte benötigen. Diese können wir, nach der Freischaltung einer bestimmten Forschung, zwar auch selbst generieren. Doch macht es einfach unheimlich Spaß zuzusehen, wie die feindlichen Agenten verhört werden.

Der Forschungsbaum ist vielseitig und unterteilt sich in fünf Bäume mit fünf Phasen. So gibt es jeweils eigene Pfade für den Unterschlupf, die Weltkarte, Fallen, Schergen und den Masterplan. Während sich in Phase eins noch ziemliche Basis-Sachen befinden, gibt es spätestens ab Phase drei bereits einige richtig nützliche Forschungen. Die verschiedenen Phasen schalten wir frei, indem wir in der vorangegangenen genügend Knotenpunkte erforschen. Dabei ist es nie eine leichte Wahl zu entscheiden, was unsere Wissenschaftler als Nächstes erforschen sollen. Denn es gibt vieles Nützliches und das Geld spielt auch eine große Rolle, denn forschen ist teuer! Für Forschungen der dritten Phase müssen wir allerdings erst in der Hauptgeschichte voranschreiten, damit wir hier Knotenpunkte erforschen können. Das bloße Freischalten reicht hier also nicht.

Kreative Fallen

Doch damit unsere Wissenschaftler auch in Ruhe daran arbeiten können, uns weitere Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bereitzustellen, müssen wir sie natürlich vor Eindringlingen beschützen. Und genau da greift Evil Genius 2 wieder eins der wichtigsten – und zugleich witzigsten – Elemente des Originals auf: Fallen. In den Gängen unserer Basis lassen sich die verschiedensten, verrücktesten und lustigsten Fallen aufstellen, die man sich vorstellen kann. Von Giftpfeilen, über Lasertore und Gefrierstrahlen bis hin zu großen Boxhandschuhen die aus der Wand schnellen ist alles dabei. Doch die Platzierung dieser sollte sich gut überlegt sein, unterscheiden sie doch nicht zwischen Freund und Feind. Keine Angst, eigene Schergen werden nur in Mitleidenschaft gezogen, wenn sie sich auf der Höhe einer Falle befinden, die von einem feindlichen Ermittler ausgelöst werden. Ansonsten lösen die Fallen nicht aus, wenn sich einer unserer „Mitarbeiter“ an ihnen vorbeibewegt.

 Ein gutes Mittel zur Prävention des Eindringens gegnerischer Ermittler ist das Ausbauen unserer Tarnfirma. Diese befindet sich am Eingang des Gebäudes, erst im hinteren Bereich ist der Eingang zu unserer eigentlichen Basis. Die Tarnfirma ist hier ein Casino-ähnlicher Bereich, den wir mit verschiedenen Glücksspiel-Stationen, Cocktailbars aber auch einer Bühne, versehen können. Einerseits lassen sich an Roulette-Tischen Touristen für ein paar extra Einnahmen abzocken, aber eben auch Ermittler ablenken. Halten sich diese zu lange im Casino auf und lassen sich zu sehr ablenken, ziehen sie schnell wieder von dannen. Das gelingt allerdings nicht immer, sodass sie sich im Endeffekt doch Zugang zu Basis verschaffen und dann kommen die Wächter ins Spiel.

Bewacht die Basis!

Die Wächter gehören, ähnlich wie Wissenschaftler für die Forschung, Techniker für das Reparieren unserer Einrichtung und Diener zum Bedienen des Casinos, zum Standard-Repertoire eines jeden angehenden Bösewichts. Denn die Wächter haben eine Kampfausbildung und kümmern sich um das Bewachen unserer Basis. Verprügeln sie zum Verhaften oder Töten markierte Eindringlinge anfangs noch mit ihren Fäusten, können sie sich (nach entsprechender Forschung) später auch mit Betäubungspistolen oder gar Gewehren im Arsenal ausrüsten. Dabei unterscheidet das Spiel immer zwischen nicht-tödlicher und tödlicher Ausrüstung, sodass dem Spieler immer die Möglichkeit gegeben wird, Schergen gefangenzunehmen oder gleich ins Jenseits zu befördern. Durch das Platzieren von als Wachposten markierte Stellen, können wir auch sichergehen, dass immer ein Wächter an den wichtigen Stellen in der Nähe ist, wenn sich mal wieder jemand versucht, in den Unterschlupf zu schleichen.

 

Dabei ist die Frequenz, mit der diese auftauchen, jedoch etwas zu hoch. Gefühlt haben wir uns gerade erst um die feindlichen Ermittler gekümmert, da stehen schon neue auf der Agenda. Kümmern sich diese Ermittler hauptsächlich darum, Beweise zu sammeln, gibt es später auch noch Saboteure, die unsere Arbeit behindern wollen. Dazu nutzen sie unter anderem Bomben, die sie dort legen, wo es wehtut: nämlich in unserem Reaktor- oder Forschungsraum. Das führt, wenn sie nicht rechtzeitig stoppen, dazu, dass empfindlich teure Einrichtung in Flammen aufgeht, was unweigerlich in einem herben Rückschlag mündet.

Technisch top, Stimmen Flop

Der Cartoon-artige Look macht dabei einiges her und erinnert vom Stil an die bereits anfangs genannten Two Point Hospital und/oder Planet Coaster. Insgesamt setzt der Stil viel auf übertriebene Formen und leuchtende Farben, was aber durchaus zum Spiel passt. Und bereits in der getesteten Version lief Evil Genius 2 erstaunlich gut. So gab es auch bei großen Basen mit vielem, was gleichzeitig auf dem Bildschirm dargestellt werden musste, keinerlei Probleme mit der Performance. Auch Abstürze oder größere Bugs sind beim Testen nicht wirklich aufgefallen oder vorhanden gewesen. In den Optionen sind zudem auch einige Möglichkeiten der Zugänglichkeit zu finden, wie Farbenblind-Modi, Gamepad-Unterstützung und sogar den „Xbox Adaptive Controller“.

Einziger Kritikpunkt könnten die Synchronstimmen sein, die im Englischen einfach viel zu künstlich und wenig glaubwürdig klingen. So wirkten die Stimmen selten passend zum Charakter. Beispielsweise bei unserem Bösewicht Maximilian, bei dem man entweder eine fiese, tiefe oder eine lustige und etwas höhere Stimme erwarten würde. Stattdessen gibt es nur eine „durchschnittliche“ Stimme ohne größere Besonderheiten. Schade!

Fazit

Ich selbst habe das damalige Original zwar nicht gespielt, kann aber total verstehen, wieso es eine Fanbase geschaffen hat, die sehnsüchtig auf eine Fortsetzung gewartet hat. Und das ist auch gleichzeitig ein gutes Lob für Evil Genius 2 von Rebellion, denn es kann den damaligen Geist des Spiels aufgreifen und in die Moderne befördern. Grundlegende Mechaniken wurden aufgegriffen und/oder erweitert oder an den richtigen Stellen vereinfacht und zugänglicher gemacht. Es verliert sich nicht in vielen undurchsichtigen Systemen, sondern setzt an den richtigen Stellen Schwerpunkte. Die unterschiedlichen Protagonisten machen Spaß und sind, bis auf die gewählten Synchronstimmen, glaubwürdig inszeniert.

Das Bauen der Basis geht flüssig von der Hand und bietet viele Möglichkeiten, sich sein eigenes kleines Imperium in den Berg zu stampfen. Das Anheuern und Ausbilden von verschiedenen Schergen ist interessant gestaltet und nicht zu einfach, denn jeden Experten muss man erst einmal auf der Weltkarte entführen. Der Forschungsbaum ist gespickt mit nützlichen Forschungen und die Fallen, mit der wir unseren Unterschlupf ausstatten können, sind sehr abwechslungsreich. Lediglich die Häufigkeit, mit der feindliche Ermittler und Schergen unsere Basis aufsuchen ist für meinen Geschmack noch zu groß. Viele Schwächen offenbart Evil Genius 2 aber nicht, denn gerade auf technischer Ebene gab es keinerlei Probleme. Wer gerne mal seinem inneren Bösewicht Auslauf geben möchte, sollte definitiv zugreifen. Der Titel macht vieles richtig und kann über viele Stunden begeistern.

Der Key für die PC-Version des Spiels wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

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